Namibia-Blog
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The Namibian (2) — Erinnerungen aus Namibia

Posted in praktikum  by carolin on March 31st, 2009

Donnerstag, 31. März 2005:

Hallo Deutschland.

Die alte Miss Cathline, die aus Angst vor Einbrechern in die Pfarrei gezogen ist und jetzt zwei Zimmer neben mir wohnt, hat mir von den Steingraebern erzaehlt, die es auf Tschaunaup gibt. …

Dort sind die Ordensschwestern der Mission begraben. Eine von ihnen, eine Oesterreicherin, war psychisch wohl nicht mehr ganz auf der Hoehe und so wurde sie auf die Farm geschickt.
Eines Abends kam sie von ihrem Spaziergang nicht mehr zurueck. Man suchte sie vergeblich. Nach drei Tagen fand man sie tot, unter einem Baum knieend und mit einem Rosenkranz zwischen den gefalteten Haenden. Sie hatte sich mit Sicherheit verlaufen. Das Steingrab, in dem sie begraben wurde, ist ueberirdisch, da man in den harten, steinigen Boden keine Loecher graben kann. So wurden um das eigentliche Grab viele Steine drumherum gehaeuft.

Miss Cathline arbeitet schon seit ueber dreissig Jahren fuer die Dioezese. Wohl deshalb wird sie trotz ihrer 84 Jahre nicht entlassen. Sie ist zur Haelfte taub, darum ist es sehr schwierig, sich mit ihr zu unterhalten. Ich komme mir so bloed vor, wenn ich sie staendig anschreien muss, damit sie mich versteht.

Am Montag, 21. Maerz, brachen wir zu einem Abenteuer der Extraklasse auf. Der diesjaehrige Jugendkreuzweg, eine Aktion der katholischen Kirche, soll von jeder Gemeinde ein wenig mitgestaltet werden. Deshalb liess Pater Rebmann ein Holzkreuz von gigantischen Ausmassen bauen, das fortan von Gemeinde zu Gemeinde wandern soll. Im Norden der Dioezese, in Rehoboth, musste der Anfang gemacht werden, das Kreuz also irgendwie dorthin gelangen. Da dies eine Jugendaktion ist, wer also musste die Sache zu Wege bringen? Richtig, die Jugendlichen.

Ich wurde eingeladen, dabei zu sein und die Reise mit meiner Kamera zu dokumentieren. Mein Vorschlag, in den Norden zu trampen, fanden alle gut � ausser die uebervorsichtigen Schwestern – und so standen wir morgens um halb neun auf der Strasse Richtung Rehoboth, eine der Hauptverkehrsadern des Landes, und wurden auch bald von einem suedafrikanischen Fahrer in seinem Mercedes Vito gegen eine geringe Gebuehr mitgenommen.
Den Rest der Reise erzaehlen meine Tagebucheintraege am authentischsten.

Montag, 21. Maerz 2005

Heute morgen haben wir dieses bloede Kreuz nach Rehoboth geschafft und sind zurueckgetrampt nach Mariental. Da sitze ich jetzt auch und bin total angenervt. Die drei Maedels sind auch einfach zum annerven. Die totalen Huehner. Die kleine kreischt immer herum. Sie heisst Patricia und ist 17. Die andern beiden sind zwar 23, aber von Organisation keine Spur. Jeanet und Franciska.
Jetzt warten wir auf einen Freund, der uns schon eine halbe Stunde hier warten laesst und nicht kommt. Vier Uhr abends ist anscheinend schon zu spaet, um 275 km nach Sueden zu fahren. … Hoffentlich ueberstehen meine Nerven und ich das heil…

Zur Erklaerung: Mariental liegt ungefaehr in der Mitte des Weges von Rehoboth nach Keetmanshoop. Fuer diesen Tag war es unsere vorlaeufige Endstation, da die Maedels nicht so aussahen, als haetten sie vor, noch nach Hause zu trampen. Sie hatten ihre Marientaler Freunde schon lange nicht mehr gesehen und dachten daran, welch tolle Gelegenheit sich ihnen gerade bot. Ob ich wollte oder nicht, ich hatte ja keine andere Wahl, musste ihnen also folgen.

Grundsaetzlich bin ich fuer diese Extra-Touren. Ich habe normalerweise nichts dagegen, Laender auf eine andere als die der Touristenperspektive kennenzulernen. Meist sind die Erfahrungen, die man dabei macht, einzigartig und man moechte sie danach nicht mehr missen. Nur: an diesem Tag war ich sichtlich entnervt, gesundheitlich zudem etwas angeschlagen  und wollte nur noch “nach Hause” in mein eigenes Bett nach Keetmanshoop. Stattdessen musste ich darauf vertrauen, dass die drei eine einigermassen akzeptable Uebernachtungsmoeglichkeit organisierten.

Leider fuehlte ich mich die meiste Zeit irgendwie aussen vor und als laestiges Anhaengsel, wogegen die Maedels aber auch nichts weiter taten, sondern im Gegenteil, eher etwas dafuer. Sie liessen mich im Unklaren darueber, was wir jeweils als naechstes taten, fragte ich nach, bekam ich relativ oft ein knappes “somewhere” zur Antwort. Es hielt auch keiner fuer noetig, mir zu erklaeren, wo wir uns jeweils befanden und welche Freunde wir gerade besuchten. Ich fragte nach und kam mir dabei selbst laestig vor.

Hier bestaetigte sich mal wieder der sogenannte Clash of Cultures, das Aufeinandertreffen von Menschen verschiedener Kulturen. Allen die meinen, ich haette die Ruhe weg, kann ich jetzt mit einem breiten Grinsen entgegentreten und sagen: kommt mal nach Namibia und ihr werdet erleben, was Gelassenheit, (relative) Sorglosigkeit und Muessiggang bedeutet.

Tatsaechlich uebernachteten wir nach vielem Hin und Her in Hardap, von wo aus es richtig schwierig war, am naechsten Morgen eine Mitfahrgelegenheit zurueck nach Hause zu bekommen. Aber auch diese Huerde meisterten wir, nicht zuletzt auch dadurch, dass ich die “geniale” Idee hatte, an einer grossen Tankstelle direkt an der Bundesstrasse einfach mal jemanden anzusprechen, ob er uns ein Stueck mitnaehme, anstatt an der Strasse mit erhobenem Daumen zu warten, bis irgendwann in diesem Jahr jemand anhaelt. So schafften wir die 285 km in knapp sechs Stunden.

Inzwischen bin ich wieder in meinem Zimmer angekommen. Es ist echt schoen, wenn man in einer voellig fremden Umgebung ein Plaetzchen hat, an das man sich zurueckziehen und wo man alleine sein kann. Leider hat mich wohl etwas in den Hals gestochen, wodurch die Lymphknoten und der Stich selbst ziemlich boese angeschwollen sind. Die Schwestern haben mir tatsaechlich Bettruhe verordnet.

Viele Gruesse und bis bald.

Carolin aus Namibia

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