Namibia-Blog
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The Namibian (3) — Erinnerungen aus Namibia

Posted in praktikum  by carolin on March 31st, 2009

Vom 31. März 2005:

Hallo ihr da.

Die Osterfeiertage sind nun endlich vorbei, ich bin seit fast zwei Wochen hier in Keetmanshoop und es ist viel passiert…

Gruendonnerstag bis Ostermontag waren gespickt mit jedweder Art von Gottesdienst. Taeglich hatte man mindestens ein Mal die Gelegenheit, den Heiligen Geist zu empfangen, entweder in der hiesigen St. Stanislaus-Kirche oder der zwei Kilometer entfernten OLPH-Gemeinde (OLPH = Our Lady of the Perpetual Help). Nachdem ich am ersten Sonntag nach meiner Ankunft und am Gruendonnerstag noch der Heiligen Messe beigewohnt hatte, glaenzte ich in den folgenden Tagen durch Abwesenheit.

Die Gottesdienste ziehen sich Dank der besonders motivierten Helferinnen, die ein Lied nach dem anderen anstimmen, gerne in die Laenge. Im Gegensatz zum deutschen Pendant sind die namibischen Messen durchaus gut zu ueberstehen, selbst wenn man keine Kirchgaengerin ist. Die Leute singen voller Enthusiasmus und lassen ihren Glauben zum Himmel klingen.

Und trotzdem widmete ich mich am Karfreitag und Samstag lieber den achtzehn Ostereiern, die ich bemalen und dem Marmorkuchen (ja, Mama, es war doch gut, dass ich zu Hause immer nur den einen gemacht hab), den ich backen sollte. Beides zog sich enorm in die Laenge. Die winzigen Eier brauchten fast eine halbe Stunde bis sie hart waren, den Kuchen hatte ich insgesamt fast drei Stunden im Backofen. Irgendwas hat da wohl nicht gepasst..

Waehrend der Osterwoche hatte ich ausser oben Genanntem nichts Konkretes zu tun, also war mir langweilig und ich bekam boeses Heimweh. Ich hatte alle Zeit der Welt und versuchte, diese mit ein bisschen Nama-Literatur totzuschlagen. Inzwischen weiss ich gut Bescheid ueber die Geschichte Namibias, die Kulturen etc. Kein Wunder, so war das suedliche Afrika und speziell Namibia ja schon seit langem mein Steckenpferd und daher auch mein Pruefungsthema an der Uni. Trotzdem werde ich von Pater Rebmann mit immer neuem Material versorgt, der Lese- und Lernstoff geht mir also sicher nicht aus.

Den bisher schoensten Tag hatte ich am Ostersonntag. Zeitig, gleich nach dem Fruehstueck, brachen Pater Rebmann und ich zu einer kleinen Siedlung namens Khoixas auf, die ca. 80 km oestlich von Keetmanshoop liegt. Dort sollte ein grosser Ostergottesdienst gefeiert werden. Und noch ein Ereignis stand an: das Fest zur Wahl des Diakons von Khoixas zum Minister fuer Umwelt und Tourismus!
Auf der Rueckbank unseres Toyota sassen zwei Maedchen Anfang zwanzig, die an diesem besonderen Tag ihre Verwandten besuchen wollten. Die Sandpad wand sich durch die suedliche Dorn- und Buschsavanne hindurch, vorbei an der Farm Gariganus, eine der wohl beruehmtesten Touristenattraktionen in der Region. Denn auf genau dieser Farm steht der einzigartige Koecherbaumwald!

Koecherbaeume wachsen nur in Namibia, koennen bis zu acht Meter hoch werden und haben ihren Namen von der frueheren Gepfolgenheit der San, deren ausgehoehlte Aeste als Koecher fuer ihre Pfeile zu benutzen. Sie wachsen auf steinigem Untergrund, der auf der Farm massenhaft vorhanden ist.

Nur wenige hundert Meter weiter findet man den Giants’ Playground, den Spielplatz der Riesen, ein Stein- und Geroellgebiet, das aussieht, als haetten Riesen darauf mit Steinen und Felsen ihre Tuermchen gebaut. Eine weitere Attraktion der Farm sind drei gezaehmte Geparden, bei deren Fuetterung am spaeten Nachmittag man live dabei sein kann. Angeblich ist es sogar moeglich, sie in ihrem Gehege im Beisein des Waerters zu streicheln.

Es war ein schoener Zufall, dass ein Gepard direkt an der Strasse hinter dem Zaum lag und sich sonnte. Wer mich kennt, kann sich meine Begeisterung fuer diese grosse Katze sicher vorstellen.. Ich naeherte mich ihr vorsichtig, bis ich direkt am Zaun kniete. Der Gepard war groesser als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er fauchte mich an und stand dann langsam auf. Waehrend er davon lief, zueckte ich meine Kamera. Ich hatte schon Angst, dass mir mein Fotomodell durch die Lappen gehen wuerde, da ich alles von Hand einstellen muss, damit hinterher auch die Belichtung stimmt.
In Situationen wie dieser wuensche ich mir oft eine vollautomatische Spiegelreflex. Waehrend ich an meinem alten Kasten herumnestelte, blieb der Gepard ploetzlich stehen und ich konnte mein Foto schiessen. Was fuer eine Begegnung! Ich kann es kaum erwarten, bei einer der Fuetterungen dabei sein zu duerfen.

In Khoixas angekommen zeigten mir unsere beiden Mitfahrerinnen die Siedlung und fuehrten mich ueberall herum. Was fuer ein netter Menschenschlag, den ich hier antraf. Es war etwas Besonderes fuer sie, eine Besucherin aus Europa dort zu haben, das gibt es nur ganz selten. Darueber aufgeklaert wer ich war, wurden sie aber erst in der Heiligen Messe, die nach eineinhalbstuendiger Verspaetung — Pater Rebmann musste vorher noch einigen Leuten die Beichte abnehmen — endlich beginnen konnte.

Die Leute von Khoixas gehoeren nicht der ethnischen Gruppe der Nama an, sondern sind groesstenteils Herero- und Ovambostaemmig, sprechen aber fast durchgehend Namataal, die Sprache der Nama. Sie unterscheiden sich schon rein koerperlich von den eher kleinen, rundlichen Nama mit den Mandelaugen und der mittel- bis rotbraunen Haut. Erstere gehoeren zu den Bantuvoelkern, haben also eine dunkel- bis schwarzbraune Hautfarbe und einen hoeheren Wuchs, sowie ausgepraegtere Gesichtszuege.

An dem Beispiel Khoixas sieht man, dass sich ethnische Gruppen nicht einfach ohne weiteres definieren lassen: Die Grossmutter eine Ovambofrau, die Eltern Herero und Nama, die Sprachen Afrikaans und Nama. Aber wer will schon definieren? Feiern wollten wir! Und zwar die Ostermesse.

In die kleine Kirche stroemten alle hinein. Die wenigen Bewohner von Khoixas und dem Umland und natuerlich die Kinder des benachbarten Internats, insgesamt an die 250 Personen. Muetter, manchmal auch Vaeter mit ihrem Nachwuchs, Teenager und Greise fuellten die reihen. Kleinkinder wurden auf dem Boden zum Schlafe abgelegt und als wir endlich mit dem Gottesdienst begannen, war der Sound gigantisch: Ohne zuvor Proben und Generalprobe abgehalten zu haben, pries die Gemeinde die Auferstehung Jesu und sang mit einer Hingabe und einer Stimmgewalt, mehrstimmig, wie ein gestandener Gospelchor. Mir fehlen jetzt noch die Worte dafuer, es war einfach ueberwaeltigend. Wie mickrig sehen in Relation dazu daneben die Ergebnisse monatelanger Proben deutscher Gospelchoere aus…

Nach eineinhalb Stunden war die Messe vorbei. Was blieb war ein gutes Gefuehl. Mit einigen Personen unterhielt ich mich naeher, bekam andere vorgestellt und wurde immer wieder willkommen geheissen. Pater Rebmann und ich bekamen in einem seperaten Raum das Essen serviert, was mir auf der einen Seite unangenehm war, fuehlte ich mich doch sowieso schon fremd und waere gerne Teil der Gemeinschaft gewesen. Andererseits aber hatte ich so die Gelegenheit, ueber das Erlebte mit Pater Rebmann zu sprechen, worueber ich letztendlich doch recht froh war.
Dann kam noch der frischgebackene namibische Umweltminister zur Tuer herein und schuettelte uns die Hand und ich war mir sicher, einem Politiker diesen Ranges nie mehr so nahe zu kommen.

Den Kontakt zu den beiden Maedchen versuche ich aufrechtzuerhalten. Vielleicht ergibt sich ja die Moeglichkeit, mal fuer einige Tage in Khoixas zu campieren und zu helfen.

Soviel fuer heute. Jetzt bin ich muede und moechte schlafen. (…)

Bis denn, viele Gruesse nach Deutschland.

Carolin

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