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	<title>Namibia-Blog &#187; praktikum</title>
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		<title>The Namibian (8) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 12:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
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Hallo nach Duitsland!
Am 17. Mai kam Besuch aus Deutschland: ich hatte mich mit Steffen mitten in Windhuk an einer dort in der Fussgaengerzone aufgestellten Gruppe von Meteoriten verabredet. Wir wollten uns einen Wagen mieten, um damit in den zwei Wochen seines Urlaubs Namibia zu erkunden. Dank einer Verkettung ungluecklicher Zufaelle trafen wir uns jedoch nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>Hallo nach Duitsland!</p>
<p>Am 17. Mai kam Besuch aus Deutschland: ich hatte mich mit Steffen mitten in Windhuk an einer dort in der Fussgaengerzone aufgestellten Gruppe von Meteoriten verabredet. Wir wollten uns einen Wagen mieten, um damit in den zwei Wochen seines Urlaubs Namibia zu erkunden. Dank einer Verkettung ungluecklicher Zufaelle trafen wir uns jedoch nicht in der Stadtmitte …<span id="more-85"></span>– wo ich stundenlang vergeblich wartete –, sondern in unserer Unterkunft. War ich vielleicht sauer! Naja, um es kurz zu machen: so uebel, wie die Tour angefangen hatte, ging sie in jedem Fall nicht weiter.</p>
<p><span id="more-8"> </span></p>
<p>Zuerst mal machten wir die oertlichen Strassenhaendler gluecklich, denn was tun deutsche Touristen, wenn sie nach Namibia kommen? Sie kaufen echt verzauberte Holzmasken und aus besonderen Nuessen geschnitzte, in Null Komma Nix mit dem eigenen Namen versehene Schluesselanhaenger. Viel zu teuer natuerlich. Wer macht sich auch schon die Muehe, sich zuerst einmal umzuschauen und die Preise herauszubekommen. Rudolph, der uns seine Nuesse, pardon, Schluesselanhaenger an der Christuskirche unter die Nase hielt, bot Steffen fuenfzig Stueck davon fuer seine Nike-Turnschuhe. Irgendwie schien Steffen dieser Handel aber etwas zu einseitig. Was will man schon barfuss, dafuer aber mit einem Haufen geschnitzter Nuesse in seinem Urlaub anfangen?</p>
<p>Problemlos bekamen wir zwei Tage spaeter unseren Mietwagen, einen weissen, nagelneuen City Golf, mit dem wir noch am selben Tag in Richtung Nordwesten aufbrachen.</p>
<p>Den ersten Zwischenstopp legten wir in Okahandja ein. Da wir ausser eine Horde bettelnder Kinder — darunter wieder zwei Nussverkaeufer — nicht viel zu sehen bekamen, dehnten wir unserer Aufenthalt nicht laenger aus und flogen auf der B2 Swakopmund zu. Schliesslich war es schon spaet. In Karibib, 110 lange Kilometer weiter, tranken wir in dem Restaurant einer Frau, deren kulturelle Wurzeln eindeutig in Bayern lagen, frisch aufgebruehten Kaffee. Der musste zumindest mich fuer die naechsten drei Stunden hinterm Lenkrad wach halten.</p>
<p>Swakopmund, unser damaliges Tagesziel, liegt am Meer, am Atlantik. Bevor man es aber zu Gesicht bekommt, muss man die Namib, eine der groessten Sandwuesten der Erde, auf einer Laenge von ca. 90 Kilometern durchqueren. Swakopmund ist fest in deutscher Hand. Wo man auch hinschaut, kann man Plakate, Anschlaege und Schilder in deutscher Schrift lesen. Ich haette mich doch fast wie in einem Nordsee-Kurort gefuehlt. Nur die Palmen und die vielen einheimischen Schwarzen wollten nicht so recht ins Bild passen. Letztere gingen uns hier dann doch gehoerig auf die Nerven.</p>
<p>Kaum hatten wir den einen mit seinen selbstgeschnitzten Elefanten abgeschuettelt, da kam schon der Naechste mit den Nuessen an, die uns inzwischen schon zu staendigen Begleitern geworden waren, und erzaehlte uns, dass er zu Hause drei Kinder und eine Grossmutter sitzen habe, die er versorgen muesse. Er wuerde uns die Nuesse auch zu einem besonders guenstigen Preis ueberlassen. Meist half wirklich nur noch, sich freizukaufen. Ich fand es unangenehm, bei den Schwarzen und den Farbigen als Touristin erkannt und gleichzeitig als die reiche Weisse angesehen zu werden, die Geld im Ueberfluss hat.</p>
<p>Auch im Etosha-Nationalpark war es so. Man nahm die Touristen aus wie Weihnachtsgaense. Diesmal von staatlicher Seite. Aber schliesslich blieb uns ja nichts anderes uebrig, als die horrenden Preise fuer Futter und Uebernachtung zu loehnen, wenn wir das sehen wollten, fuer das wir hergekommen waren: Zebras, Loewen, Elefanten etc.</p>
<p>Die ersten Springboecke, die unseren Weg kreuzten oder am Strassenrand grasten, noetigten uns zu Beginn noch zu einem kurzen Stopp (Wow, schau mal, Springboecke!), waehrend sie uns im Laufe der naechsten Tage nur noch ein &#8220;Nicht schon wieder Springboecke&#8230;&#8221; entlocken konnten.</p>
<p>Elefanten gab es im Etoshapark auch im Ueberfluss, besonders an den Wasserloechern, wo man nachts auch Nashoerner und Schakale beobachten konnte. Letztere schlichen auf der Suche nach Essbarem sogar zwischen den Bungalows der Besucher herum. Die meisten Tiere bekamen wir ohne Zaun, quasi in natura zu Gesicht. Was fuer ein Gefuehl, wenn ein riesiger Elefantenbulle drei Meter neben dem Auto genuesslich die Blättchen von einem Busch zupft! Oder eine Giraffe!</p>
<p>Am dritten Tag sahen wir tatsaechlich Loewen. Nachdem sie zuvor ein Gnu gevespert hatten, lagen sie so unter einer grossen Akazie und verdauten ihr Mahl. Ich hatte noch nie soviel Respekt vor einer Katze, wie in diesen Augenblicken. Die Regel, die im Etoshapark gilt, haben wir jedenfalls verstanden: Hier haben sich die Menschen den Tieren unterzuordnen.</p>
<p>Schoen war auch, dass wir so vielen Menschen auf unserer Reise begegneten. Da waren Justus und Sarah aus Nairobi, Kenya, die wir in Swakopmund kennenlernten, dann eine Kanadierin, mit der ich mich ueber eine Stunde lang am naechtlichen Wasserloch von Fort Namutoni unterhielt. Oder Franceska. Wir trafen sie in der Baeckerei Steinbach in Tsumeb. Sie war eine richtige Mama. Wie wir spaeter herausfanden, wanderte sie vor acht Jahren aus Italien nach Namibia ein, wahrscheinlich nachdem sie den suedwester Baecker geehelicht hatte. Ihr Mundwerk stand kaum eine Sekunde still. Und binnen einer Stunde — wir hatten inzwischen jeder eine von ihr aufgeschwatzte Pizza verdrueckt — lernten wir den gesamten Haushalt kennen. Inklusive ihrer Katze Rambo Sebastian.</p>
<p>Ein besonderes Erlebnis hatten wir im fernen Sueden. In Keetmanshoop statteten wir der Farm, auf der sich der Koecherbaumwald befindet, einen Besuch ab. Der Farmer fuehrte uns in seine Werkzeughalle, wo im hintersten Winkel sein Warzenschwein Bill Clinton lag. Die zahmen Geparden waren mir da einfach symphatischer.</p>
<p>Jeden Abend um 17 Uhr werden sie gefuettert und die Besucher duerfen dabei sein. Ich kann jetzt mit Fug und Recht behaupten, einen echten Geparden gestreichelt zu haben. Sein Name war Chiki und sein Fell schmusig weich. Bis zum Schluss war ich vor ihm auf einem Eisengestell gelegen, um ein huebsches Foto von ihm und seinem Abendessen, einem Springhasen, zu bekommen. Geparden fressen ohne Zuhilfenahme ihrer Pfoten nur mit den Zaehnen und der Zunge. Die Fuesse bleiben sauber.</p>
<p>Bald bricht meine letzte Woche hier in Namibia an. Zur Zeit liege ich leider auf der Nase, hoffe aber, dass es mir bald wieder besser geht.</p>
<p>Bis bald und baie groete van Namibie.</p>
<p>Carolin</p></div>
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		<title>The Namibian (7) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 15:14:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
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		<description><![CDATA[Halloli aus Namibia!
Der Mai ist gekommen, die Koecherbaeume stehen in Bluete und man merkt den namibischen Winter auf dem Hochplateau, auf dem auch Keetmanshoop in 1002 M. ue. M. liegt, jetzt doch recht deutlich: die Naechte und auch die Morgen sind empfindlich kalt und man tut gut daran, sich dick einzumummeln, solange die Sonne noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Halloli aus Namibia!</p>
<p>Der Mai ist gekommen, die Koecherbaeume stehen in Bluete und man merkt den namibischen Winter auf dem Hochplateau, auf dem auch Keetmanshoop in 1002 M. ue. M. liegt, jetzt doch recht deutlich: die Naechte und auch die Morgen sind empfindlich kalt und man tut gut daran, sich dick einzumummeln, solange die Sonne noch nicht ihre volle Kraft entfaltet hat. Trotzdem schlafen hier alle mit geoeffneten Fenstern und laufen in offenen Sandalen und Badelatschen herum, weil man das halt immer so macht. Darueber tragen sie jetzt jedoch wattierte Winterjacken.</p>
<p><span id="more-63"></span></p>
<p>Auch bei mir haben sich gewisse Dinge nun veraendert: nachdem ich schon zweimal fast auf der Kuehlerhaube eines Autos gelandet waere, weil ich Macht der Gewohnheit nur nach links schauend die Strasse ueberquerte, gebe ich nun besonders auf den hier herrschenden Linksverkehr acht und pruefe nach, ob sich mir nicht von rechts ein Auto naehert, bevor ich einen Fuss auf die Fahrbahn setze.</p>
<p>Auf meinen kurzen Spaziergaengen zum SPAR-Markt beobachte ich gerne das bunte Treiben auf der Hauptstrasse. Besonders eine Sache faellt mir immer wieder auf: der Unterschied zwischen den Nama-Frauen und Maennern. Waehrend die Maenner, zart mit Wespentaille und wenig muskuloes, wirken, als koennten sie keiner Fliege etwas zu Leide tun, schieben die Frauen ihre ueberaus runden Formen durch die Landschaft. Das Nama-Schoenheitsideal eines runden, weiblichen Pos, das bei ihnen besonders ausgepraegt ist, diente in Zeiten, in denen sie gemaess ihrer Tradition mit ihren Kleinviehherden umherzogen, als Fettspeicher fuer schlechte Zeiten. Heute kennt man schlechte Zeiten jedoch nicht mehr und der uebermaessige Fett- und Zuckerkonsum der Leute fuehrt zu Rubensfiguren, die auch gesundheitliche Risiken bergen.</p>
<p>Am Donnerstag, dem 7. April 2005, brachten Pater Rebmann und ich ein Bild und eine Marienstatue in die gerade erst fertig gebaute katholische Kirche der 300 km entfernten Nachbargemeinde Maltahoehe. Dort hatte ich einmal mehr die Ueberbleibsel der deutschen Kolonialzeit direkt vor Augen. Laut meinem Reisefuehrer herrsche dort auch heute noch “Rassismus pur”. Dies konnte ich nicht vollstaendig bestaetigen, was daran lag, dass ich die einzigen Weissen im einzigen Hotel des Ortes antraf, wo sie natuerlich schwarze Bedienstete beschaeftigten. Nein, herzlich war das Verhaeltnis zwischen den beiden Parteien nicht.</p>
<p>Einige Eindruecke aus meinem Tagebuch:</p>
<blockquote><p>Donnerstag, 7. April 2005</p>
<p>” Heute war ein schoener Tag. Aber anstrengend. Ich bin mit Pater Rebmann nach Maltahoehe gefahren. Die Landschaft dahin war schoen. Abwechslungsreich. Mal rote Erde mit nur wenigen Grasbuescheln oder etwas Dornengestruepp, dann einige Kilometer weiter mehr Busch und fruchtbareres Land, aber trotzdem suedlich karg.</p>
<p>In Maltahoehe haben wir im Hotel Maltahoehe zu Mittag gegessen. Sind mit Guten Tag begruesst worden. Aha, eine Deutsch-Namibierin also. Das Gebaeude im Kolonialstil, mit Jagdtrophaeen von Kudu, Springbock und Elandantilope an der Wand, Bildern von frueheren Zeiten und die Frau mit dem typisch norddeutschen, harten Dialekt. Wie ein Wirtshaus. Wer verirrt sich dorthin? Pater Rebmann meint, Maltahoehe sei ein Durchgangsort. Ja, ok, in Richtung Sossusvlei vielleicht. “</p></blockquote>
<p>Das Sossusvlei ist eine von grossen Duenen umgebene, fruchtbare Pfanne mitten in der Namib. In den seltenen regenreichen Jahren fuellt sie sich mit (wenig) Wasser und es entsteht eine Oase mitten in der Wueste, zu der es auch einige Tiere hinzieht. Diese ganzjaehrige Touristenattraktion sowie die in der Naehe gelegene Burg Duwisib die von dem Deutschen Hansheinrich von Wolf und seiner US-amerikanischen Frau Jayta im Jahre 1909 erbaut worden war sorgen dafuer, dass Maltahoehe auch ab und zu Besuch von aussen bekommt. Es liegt weit abseits der Hauptroute Namibias.</p>
<p>Den ganzen Mai ueber sind Schulferien. Auch der Kindergarten hat geschlossen. Und wenn ich nicht gerade mit Pater Rebmann zu anderen Gemeinden, Krankenbesuchen und Seniorenheimen unterwegs bin, lese ich, waehrend im Hintergrund meist das deutsche Hoerfunkprogramm der NBC (Namibian Broadcasting Corporation) laeuft. Und das ist ein echtes Phaenomen. Sendezeit ist von 6.00 bis 21.00 Uhr, danach ist fuer das deutsche Programm Sendeschluss und das nationale der NBC beginnt.</p>
<p>Ich werde morgens also von Roland Kaiser, Michelle und anderen Schlagergroessen geweckt. Manchmal spielen sie dann auch etwas NDW-Musik von Nena oder Peter Schilling. Das Vormittagsprogramm bekomme ich meistens nicht mit, da ich entweder unterwegs bin oder lernen muss, weiss aber, dass sich in dieser Zeit klassische Orchestermusik mit Vierziger Jahre-Chansons und Opern abwechselt. Durchaus interessant, wenn man es nicht die ganze Woche ueber, sondern nur ab und zu einmal hoert. Ich habe immer noch die Moeglichkeit zu einem englischen Sender zu wechseln, der mich mit internationaler (Rock-)Musik versorgt.</p>
<p>Der taegliche Hoehepunkt, meine heilige halbe Stunde, die ich mir von niemandem nehmen lasse, ist mit dem Kinderprogramm um 14 Uhr erreicht. &#8220;Hallo Kinder, hier ist wieder die Ulli&#8221; toent es dann aus dem Radio, und Ulli liest Michels neue Streiche aus dem Michel aus Loenneberga von Astrid Lindgren vor. Oder wir Kinder hoeren das Sams als Hoerspiel oder sonstige nette Erzaehlungen und auch Grimms Maerchen. Unterbrochen werden sie von Kinderliedern aus der Sendung mit der Maus, Rolf Zuckowski oder aus Disneyfilmen (Probiers mal mit Gemuetlichkeit). Zugegeben, es gibt faehigere Moderatorinnen als die Ulli, aber sie scheint eine nette Frau zu sein und fuer die Kinder ist sie in Ordnung.</p>
<p>Die naechste halbe Stunde richtet sich an etwas aeltere Kinder und Jugendliche. Jeden Tag steht sie unter einem neuen Motto und man erfaehrt Wissenswertes ueber Tiere, Persoenlichkeiten oder die Geschichte. Weil es eine deutsche Sendung ist, wird hier auch echt deutsches Liedgut gespielt: der Steuersong unseres Kanzlers etwa, Hier kommt die Maus von Stefan Raab, die DSDSS-Allstars mit We Have a Dream und ueberraschend oft der Xavier aus Mannheim.</p>
<p>Die internationale Musik kommt aber, Gott seis gedankt, auch nicht zu kurz. Und so geniesse ich mit Beyonce und Jennifer Lopez die Sonne, denn um diese Zeit setze ich mich immer nach draussen, stelle den Radio auf entsprechende Lautstaerke (Miss Cathline wuerde das trotzdem nicht einmal dann hoeren, wenn sie direkt daneben stuende, was sie aber nicht tut, denn um diese Zeit ist sie im Buero) und lehne mich an die Sonnenwand, um wenigstens noch ein paar Strahlen von Waerme abzubekommen.</p>
<p>Ja, das ist so in etwa ein Tag mit meinem Radiosender. Zugegeben, ueber die Moderation, die Zusammenstellung der Musik und die Beitraege laesst sich streiten. Vieles wirkt ein wenig stuemperhaft, fast wie Amateurradio. Wahrscheinlich waere ich zu Hause in Deutschland keine Hoererin des Deutschen Hoerfunkprogramms der NBC. Hier in Namibia, wo vieles neu und ungewohnt ist und ich oft alleine bin, bringt es mir jedoch ein Stueck Vertrautheit, und das hat mir besonders in den ersten Wochen ungemein geholfen. Ausserdem werden jeden Samstag die Spiele der Bundesliga live uebertragen und Sabine Toepperwin (eine deutsche Fussballmoderatorin, wer kennt sie nicht) erzaehlt mir mal wieder etwas vom Freiburger Abstiegsritual.</p>
<p>Vor meinem Zimmer, zwischen der Sonnenwand und den Gemuesebeeten, wo ich mich jeden Nachmittag hinluemmle und Waerme tanke, leben viele schwarze, neugierige Kaefer. Das Erlebnis mit einem von ihnen habe ich in meinem Tagebuch festgehalten:</p>
<blockquote><p>Mittwoch, 13. April 2005</p>
<p>&#8220;Hi, wie suess! Vorhin als ich in der Sonne gesessen bin und meine Fuesse ausgestreckt hab, ist einer von den schwarzen, grossen Kaefern zu meinem grossen Zeh hingekrabbelt und hat versucht, darauf zu klettern. Dann hat er versucht, mich zu essen. Mit seinen beiden Zangen. Das war vorne am grossen Zeh noch ganz angenehm, nur als er dann weiter nach oben gekrabbelt ist und mich dort gezwickt hat, hat es wehgetan. Da hab ich ihn dann runtergeschmissen.&#8221;</p></blockquote>
<p>So, fuer heute soll es das gewesen sein. Es ist kurz vor 17 Uhr, im Radio laeuft Wolfgang Petry, ich wechsle jetzt den Sender.</p>
<p>Ciao und viele Gruesse.</p>
<p>Carolin</p>
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		<title>The Namibian (6) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 18:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
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		<description><![CDATA[Sonnige Gruesse aus Namibia!
Es gibt da eine Sache, die mir schon laenger im Kopf herumgeistert und immer dann wieder auf den Plan tritt, wenn ich hoere, dass es zu 80% afrikanische Frauen sind, die zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen des Kontinents, aber auch ihrer Familien beitragen: Was machen eigentlich die Frauen von Keetmanshoop? Gehen sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sonnige Gruesse aus Namibia!</p>
<p>Es gibt da eine Sache, die mir schon laenger im Kopf herumgeistert und immer dann wieder auf den Plan tritt, wenn ich hoere, dass es zu 80% afrikanische Frauen sind, die zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen des Kontinents, aber auch ihrer Familien beitragen: Was machen eigentlich die Frauen von Keetmanshoop? Gehen sie einer geregelten Arbeit nach? In welchen Berufsfeldern sind sie taetig? Und wie lassen sich Kinder und Berufstaetigkeit unter einen Hut bringen? Um bei meinen kleinen Recherchen fuendig zu werden, bediente ich mich meiner treuesten Informantinnen, den Frauen im Kindergarten.</p>
<p><span id="more-57"></span></p>
<p>Irmgard ist 34 Jahre alt und seit zwei Jahren im Aviat-Kindergarten beschaeftigt, gehoert also zu den Frauen mit geregeltem Einkommen. Dies sieht man ihr auch an. Sie legt grossen Wert auf die Pflege von Haaren, Gesicht und Haenden, ein gepflegtes Aeusseres ist ihr wichtig.</p>
<p>Bevor sie die Stellung im Kindergarten annahm, arbeitete sie sechs Jahre lang bei einer NGO (=Non Governmental Organisation; Nicht-Regierungs-Organisation), die sich den Kampf gegen AIDS auf die Fahnen geschrieben hatte. Waehrend dieser Zeit nahm sie an Workshops, Seminaren und internationalen Treffen teil, die sie im suedlichen Afrika herumkommen liessen und sie u. a. nach Sambia und Suedafrika fuehrten. Als die Organisation mangels finanzieller Unterstuetzung aufgeben musste, nahm Irmgard zuerst einige Monate lang einen Job in der pfarreieigenen Bibliothek an, worueber sie letztendlich an die Stellung im Kindergarten kam. Jetzt passt sie jeden Morgen auf die Kleinen der Gansie-Gruppe auf. Ausserdem hat sie einen 15-jaehrigen Sohn.</p>
<p>Ihre Kollegin Silvia, 29, hat ihren 14 Monate alten Sohn Theophilus, kurz Sheepy (Schaefchen) genannt, zu ihrer Schwester auf die Farm gebracht, auf der diese mit ihren Eltern lebt. Im Gegenzug muss sich Silvia um Godfrey, 4, den Sohn der Schwester, kuemmern, der das richtige Alter hat, um in der Schmetterlingsgruppe sein zu duerfen. Regelmaessig schickt Silvia also einen Teil ihres Gehaltes zur Unterstuetzung ihrer Familie auf die Farm, denn wer hat, der muss geben.</p>
<p>Das Konzept der gegenseitigen Hilfe unter den Nama muss sich wohl bewaehrt haben. Oftmals wachsen Kinder nicht bei ihrer Mutter oder ihren Eltern, sondern bei den Grosseltern oder sonstigen Verwandten auf. Viele verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit auch in Internaten und sehen ihre oft weit entfernt lebenden Familien nur waehrend der Ferienzeiten.</p>
<p>Auf Nachfragen nach weiteren Berufen entgegnete mir Irmgard, dass relativ viele Frauen als Lehrerinnen in Vor- und Grundschulen, sowie in weiterfuehrenden Schulen arbeiteten. Andere seien in Verwaltung, staedtischen Aemtern, Sicherheitsdiensten, Supermaerkten und anderen Geschaeften und Privatbetrieben beschaeftigt, womit sie ein relativ sicheres, geregeltes Einkommen haben.</p>
<p>In vielen Privathaushalten sind domestic workers Kindermaedchen, Koechinnen, Putzfrauen, meist alles in einer Person- angestellt. Eine von ihnen ist Margreth, 43 Jahre alt, von allen nur Cooky genannt. Sie kocht, putzt und waescht im pastoralen Zentrum, in dem ich wohne. Ihr Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens und endet meist gegen 13.30 Uhr. Ein klassischer Halbtagsjob also. Fuer ihre Dienste bekommt Cooky monatlich umgerechnet etwa 120 Euro, mit denen sie auch fuer ihre beiden Kinder, 19 und 22, sorgen muss.</p>
<p>Und wie sieht es mit dem Gender-Aspekt aus, den Beziehungen zwischen Frauen und Maennern in einer Gesellschaft?</p>
<p>Irmgard ist nicht verheiratet, wollte den Vater ihres Kindes auch nicht ehelichen und hat sich bewusst dazu entschieden, ihre Sohn alleine grosszuziehen. Als ich sie nach dem Grund fragte, antwortete sie mir: Warum soll ich mich mein ganzes Leben lang an einen Mann binden, den ich nicht liebe, nur weil er der Vater meines Kindes ist? Sie wollte alleine entscheiden, wenn es um die Belange ihres Sohnes ginge und sich von keinem in ihre Angelegenheiten hineinreden lassen. Naechstes Jahr moechte sie sich aber auf die Suche nach einem geeigneten Lebenspartner begeben.</p>
<p>Bei Silvia verhielt es sich nur wenig anders. &#8220;Niemals wuerde ich Sheepys Vater heiraten!&#8221;, entgegnete sie mir auf meine Frage. Das war relativ deutlich. Mir scheint, sie ist froh, wenn sie ihn nicht sehen muss. Per Gesetz ist er allerdings dazu verpflichtet, den Unterhalt fuer seinen Sohn zu zahlen, was er auch tut. Mein Gefuehl dabei war, dass er nur wenig Wert darauf legt, Kontakt zu seinem Kind zu halten.</p>
<p>Auch Cooky ist meines Wissens unverheiratet und ohne Mann im Haus, kommt damit aber gut zurecht.</p>
<p>Ein grosses Problem stellen in diesem Zusammenhang die vielen jungen Muetter dar. Maedchen, die mit sechzehn oder siebzehn Jahren ihre erstes Kind bekommen, haben damit weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung und koennen auch nur selten mit der Unterstuetzung ihres Freundes rechnen. Manchmal wissen sie selbst nicht mehr, wer der Schuldige war. Dann bleibt nur noch, das Kind den Eltern zu geben oder es mit ihrer Hilfe aufzuziehen. Vom Staat gibt es zumindest ein Kindergeld.</p>
<p>Ich habe auch solche Maedchen getroffen: Marcia, 22, und Franciska, 20. Beide sind alleinerziehende Muetter, was in diesem Fall soviel heisst wie, dass die Kinder die meiste Zeit bei den Grosseltern abgestellt werden. Aber nicht etwa, wie vielleicht zu erwarten waere, um den versaeumten Schulabschluss nachzuholen. Wann immer ich die beiden getroffen habe, waren sie bis auf ein einziges Mal ohne ihre Kinder unterwegs. Es scheint mir, die beiden haben den Absprung verpasst. Sie verhalten sich so, als kaemen sie schon irgendwie durchs Leben, wenn auch mehr schlecht als recht. Lieber geniesen sie die Zeit ohne ihre Kinder. Alles klingt ein wenig nach &#8220;Was kummert mich das Morgen? Ich lebe im Heute!&#8221;.</p>
<p>Ich finde so etwas schade und auch unfair der arbeitenden Bevoelkerung gegenueber. Schoen ist es aber zu sehen, dass vielen Menschen etwas an ihrer eigenen Zukunft, sowie auch der ihres Landes liegt.</p>
<p>So, alle Eidechsen haben sich in ihre Schlupfwinkel zurueckgezogen, die Sonne geht langsam unter und mir wird es kalt hier vor den Gemuesebeeten. Deshalb nur kurz bye, bye und bis bald.</p>
<p>Viele Gruesse von Carolin</p>
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		<title>The Namibian (5) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
		<link>http://www.namibiablog.org/2009/04/19/the-namibian-5-erinnerungen-aus-namibia/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2009 20:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
		<category><![CDATA[afrikaans]]></category>
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		<description><![CDATA[Hallo und kalte Wintergruesse,
Der April macht ja bekanntlich was er will und so ist das auch auf der Suedhalbkugel. Wolkenlose, warme Tage wechseln sich mit halb verregneten, kuehleren ab. Und alle sprechen vom Winter.

So lange ich aber in Shorts und T-Shirt nach draussen gehen kann, ist jener fuer mich noch sehr weit entfernt.Heute war es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo und kalte Wintergruesse,</p>
<p>Der April macht ja bekanntlich was er will und so ist das auch auf der Suedhalbkugel. Wolkenlose, warme Tage wechseln sich mit halb verregneten, kuehleren ab. Und alle sprechen vom Winter.</p>
<p><span id="more-49"></span><br />
So lange ich aber in Shorts und T-Shirt nach draussen gehen kann, ist jener fuer mich noch sehr weit entfernt.Heute war es zum ersten Mal etwas kuehler, das Thermometer kletterte nicht weit ueber zwanzig Grad und ein boeiger Wind blaest mir seit heute Morgen die Haare strubbelig. Ansonsten war es aber ein Tag wie viele andere auch.</p>
<p>Mein Wecker klingelte um zwanzig vor sieben, hatte aber wie immer keine Chance gegen mich, da ich jeden Morgen vor ihm wach bin. Ungefaehr zur gleichen Zeit hoerte ich das Tor quietschen. Es war Cooky, unsere Koechin und Haushaelterin, die kurz darauf anfing, im Nachbarzimmer mit Tassen und Tellern zu hantieren, um den Fruehstueckstisch zu decken.</p>
<p>Gegen halb acht fanden sich langsam Miss Cathline und Pater Rebmann ein, letzterer nuschelte sein Tischgebet fuer alle und dann machten wir uns ueber Kaffee und Miliepap her, eine Art Maisgriessbrei, das namibische Nationalgericht. Nach dem Fruehstueck fuhr ich mit meinem roten Fahrrad die Hauptstrasse in Richtung Kindergarten entlang. An der Apotheke vorbei, dem Sportschuhlaedchen, dem Fischgeschaeft, einigen Boutiquen, Versicherungen und dem <span class="caps">SPAR</span>, bog ich schliesslich in das Tor meiner Praktikumsstaette ein. Davor stehen in einer Reihe fuenf riesige Dattelpalmen, deren Wedel heute im Wind rauschten.</p>
<p>Es war ein schoenes Bild, wie sie sich vond er tiefstehenden Sonne beschienen vom azurblauen Himmel abhoben. Ich blieb ein wenig davor stehen und betrachtete sie. Mit Mut fuer den neuen Tag zuredend betrat ich schliesslich das Gebaeude. In ihrem Buero sass Schwester Josepha-Aloysia, der ich im Voruebergehen mein &#8220;Good Morning&#8221; zurief, die anderen Frauen, Elize Pofadder, Mousi Bezuidenhoudt, Irmgard Galandt und Silvia Bezuidenhoudt, begruesste ich auf Afrikaans. Nach der ueblichen, allmorgendlichen halben Gebets- und Singstunde stellten sich die Kinder nach Gruppen getrennt in Zweierreihen auf &#8212; Maedchen vorne, Jungen hinten &#8211;, wurden gezaehlt und danach in ihre Klassenzimmer geschickt.</p>
<p>Eigentlich laufen die Tage im AVIAT-Kindergarten alle gleich ab: spielen/lernen, beten, essen, Spielplatz, essen, spielen/lernen, essen, warten auf das Abgeholt-Werden. Waehrend des ganzen Morgens sind die gewohnten Befehle zu hoeren (&#8220;Jonathan, komm da runter!&#8221;, &#8220;Moravia und Aloise, lasst das!&#8221;), nur ab und zu einmal unterbrochen von kleinen Pipi-Pannen, Traenen bei den Juengsten (&#8220;Runyararo hit me!&#8221;, schluchz) und auch von den netten Storys, die uns der kleine, blonde Kalli gerne erzaehlt und damit, ausser mir, saemtlichen Erzieherinnen auf die Nerven faellt.</p>
<p>Wir gingen also auch heute nach draussen auf den Spielplatz. Seit einigen Tagen habe ich einen kleinen Jungen besonders ins Herz geschlossen. Alistor, vier Jahre alt, ist mein persoenlicher Liebling seit mir seine frappierende Aehnlichkeit mit meiner Cousine Maya, ebenfalls vier, aufgefallen ist. Er koennte glatt ihr Bruder sein. Manchmal schaut er gedankenverloren in die Luft, ist im naechsten Moment aber wieder im Hier und Jetzt und beschaeftigt sich weiter mit seinem Spiel.</p>
<p>Jedenfalls stimmen Mimik und Verhalten bei den beiden so stark ueberein, dass ich oft genug an mich halten muss, um ihn nicht zu knuddeln. Er ist einfach ein ganz suesser Knopf.</p>
<p>Auch heute schaute ich wieder besonders nach ihm, schliesslich steht er unter meinem persoenlichen Schutz. Keiner darf ihm ungestraft weh tun. Deshalb traf mich wohl auch die Szene, die sich kurz vor dem Essen abspielte, so hart: Ich kam gerade zur Kuechentuer heraus, schritt an den beiden Seiten der Terrasse sitzenden Kindern vorbei &#8212; und hoerte ploetzlich ein lautes Schluchzen. Alistor sass da, traenenueberstroemt und wurde von Andrea, seiner kleinen Nachbarin in den Armen gehalten. Ich fragte ihn, was denn passiert sei, waehrend ich ihm ueber seine blonden Locken streichelte. Es stellte sich heraus, dass Andrea ihn in die Wange gekniffen hatte und zwar so stark, dass diese knallrot war und man noch Minuten spaeter die Abdruecke der Fingernaegel darauf sehen konnte. Sich war sich ihrer Schuld wohl bewusst, denn wie um es wieder gutzumachen, legte sie zum Trost den Arm um ihn herum.</p>
<p>Ich war trotzdem wuetend und schimpfte ordentlich mit ihr, dann aber streichelte und pustete ich Alistors Wange in guter, alter &#8220;Heile-heile-Gaenschen-Manier&#8221; bis er aufgehoert hatte zu weinen.</p>
<p>Das einzig aussergewoehnliche, was dann noch geschah, war, dass ich den aelteren Kindern der Hasengruppe ein Buechlein ueber zwei kleine Katzen vorlas. Auf Englisch wohlbemerkt. Ich weiss wirklich nicht, ob aus Respekt oder Interesse, aber obwohl sie mit Sicherheit kaum ein Wort verstanden hatten, hoerten sie mir zu. Miss Bezuidenhoudt und ich, wir uebersetzten in Afrikaans und fragten spielerisch ein paar Vokabeln ab, damit die Kinder schon vor der Schule ein wenig den Umgang mit der namibischen Nationalsprache erlernen.</p>
<p>So, das war es wieder fuer heute. Bleibt mir nur noch zu sagen &#8220;totsiens!&#8221; (&#8230;).</p>
<p>Bis bald und tausend Gruesse</p>
<p>Carolin</p>
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		<title>The Namibian (4) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
		<link>http://www.namibiablog.org/2009/04/09/the-namibian-4-erinnerungen-aus-namibia/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 18:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
		<category><![CDATA[afrikaans]]></category>
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		<description><![CDATA[Hallo aus Suedwest.
Waehrend ich hier sitze und versuche, euch Bericht zu erstatten, hoere ich draussen ein Auto mit vor lauter Musik donnernden Boxen vorbeifahren. Wahrscheinlich sitzt die Dorfjugend drinnen.

Inzwischen ist es kuehler geworden, der namibische Winter beginnt.

Obwohl ich so langsam eine schoen braeunliche Farbe angenommen habe, finde ich es doch schade, morgens und abends bald [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo aus Suedwest.</p>
<p>Waehrend ich hier sitze und versuche, euch Bericht zu erstatten, hoere ich draussen ein Auto mit vor lauter Musik donnernden Boxen vorbeifahren. Wahrscheinlich sitzt die Dorfjugend drinnen.</p>
<p><span id="more-46"></span></p>
<p>Inzwischen ist es kuehler geworden, der namibische Winter beginnt.</p>
<div class="serendipity_entry_extended">
<p>Obwohl ich so langsam eine schoen braeunliche Farbe angenommen habe, finde ich es doch schade, morgens und abends bald wieder laengere Hosen anziehen zu muessen. Aber Winter ist nicht gleich Winter und das ist auch gut so. In den hiesigen Gefilden hat man zu dieser Jahreszeit, zumindest vor- und nachmittags, noch um die 25 Grad Celsius. Ich werde das ueberpruefen, schliesslich habe ich diese Information nur aus Buechern.</p>
<p>In den ersten Wochen meines Aufenthalts hoerte ich mich mehr oder weniger aufmerksam in die neue Sprache hinein, erkannte hier und da einige vertraute Worte, verzweifelte immer wieder daran und nervte andauernd meine Mitmenschen mit Fragen wie &#8220;was heisst dies auf Afrikaans?&#8221;. Zunaechst waren es nur einzelne Worte, die ich mir merken konnte, viel zu wenig, um eine Konversation anzufangen. Ich traute mich auch nicht, weil ich mir mit meinem mickrigen Wortschatz selbst bloed vorkam. Am Dienstag, den 29. Maerz, meinem ersten Arbeitstag im Kindergarten, begann ich zum ersten Mal mit den Leuten Afrikaans zu sprechen.</p>
<p>Das dies nicht immer ganz leicht ist, musste ich dort erfahren. Ich stellte den Kindern einfache Fragen, Saetze, die ich mir selbst zusammengeschustert hatte, erntete statt Antworten aber nur ebenso fragende Blicke. Help! Ich muss wohl noch etwas an meiner Aussprache feilen. Oder an der Grammatik. Wohl eher an beidem.</p>
<p>Kleine Afrikaans-Exkursion:</p>
<ul>
<li>Goeie more! &#8212; Guten Morgen!</li>
<li>Ek is mooi. &#8212; Ich bin huebsch.</li>
<li>Jy is lelik. &#8212; Du bist haesslich.</li>
<li>Huilebalk (gespr.: hoeilebalk) &#8212; Heulsuse.</li>
</ul>
<p>Seitdem kamen Tag fuer Tag neue Ausdruecke und Vokabeln hinzu. Meist waren dies die in afrikanischen Kindergaerten so ueblichen Befehle wie &#8220;hoer auf!&#8221;, &#8220;sitz&#8217; richtig!&#8221;, &#8220;schau nach vorne!&#8221;, &#8220;sing!&#8221;, &#8220;Maedchen, geht auf die Toilette! Alle!&#8221;. Hier herrscht Zucht und Ordnung. Jedenfalls haetten die Erzieherinnen das gerne. Am Anfang war ich stark am Zweifeln, und bin es bisweilen noch immer, ob diese Art der Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern, die fast ausschliesslich auf Aufforderungen beruht, nicht doch fehl am Platz ist. Wann immer die Frauen den Mund aufmachen, um mit den Kleinen zu &#8220;reden&#8221;, steht am Ende des Satzes ein Ausrufezeichen.</p>
<p>Vielleicht sind sie mit der Kinderschar auch ueberlastet. Waehrend man in deutschen Kindergaerten oft bis zu drei Erzieherinnen pro Gruppe findet, kommt hier eine Frau auf 25 bis 35 Zwerge. Das ist wie ein Sack Floehe hueten.<br />
Die Hauptaufgabe meines Praktikums ist also der Kindergarten. Um genau zu sein, heisst die Einrichtung &#8220;Aviat Pre-Primary School&#8221;, ist also eine Vorschule. Mutter Aviat war eine ganz besonders kinderliebe Ordensschwester, deshalb traegt jene ihren Namen.</p>
<p>Die ca. 130 Kinder, die jeden Tag dorthin geschickt werden, sind je nach Alter in vier verschiedenen Grupppen untergebracht: die Juengsten, die Drei- bis Vierjaehrigen, das sind die &#8220;Gansies&#8221;, darauf folgen die Vier- bis Fuenfjaehrigen der Butterfly-, also Schmetterlingsgruppe. Die restlichen sind in die Hasen- und Entengruppe aufgeteilt und zwischen fuenf und sechs Jahre alt.</p>
<p>Ich wechsle jede Woche das Klassenzimmer und darf die Arbeit mit einer neuen Gruppe kennenlernen. Fuer die Kinder war es sicher eine Abwechslung der besonderen Art, als ich ploetzlich bei ihnen auftauchte und anfing, dort mitzumschen. Zwei Maedchen waren besonders neugierig, wie sich wie sich ganz weisse Haut anfuehlt, und beruehrten bei jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit meine Hand. Und das, obwohl zwei kleine weisse Jungs mit in ihrer Gruppe sind.</p>
<p>Toleranz gegenueber Andersartigen muss man ihnen gar nicht erst beibringen, denn im Kindergarten sind von Schwarz bis Weiss unzaehlige Abstufungen von Hautfarben vorhanden. Und alle wachsen &#8212; zumindest dort &#8212; wie Kinder auf, nicht wie Mitglieder verschiedener Rassen und Klassen. Das macht die Sache fuer mich so interessant. Manchmal kann ich mich kaum sattsehen. Und vergesse, dass ich eigentlich gerade die Rolle einer Co-Erzieherin inne habe; dabei wuerde ich oft soo gerne einfach mit ihnen spielen, anstatt sie zu hueten und Befehle wie &#8220;spiel&#8217; auf dem Teppich!&#8221; zu erteilen.<br />
Es bleibt mir aber meist nichts anderes uebrig, als mich fuer die &#8220;Authoritaet&#8221; zu entscheiden.</p>
<p>Letzten Samstag verliess ich mit meinem roten Fahrrad, dem Mountainbike des verstorbenen Bischoffs, die Stadt. Ich brauchte dringend Bewegung und auch etwas Abwechslung, denn immer nur Kindergarten und pastorales Zimmer macht einen mit der Zeit schon muerbe.<br />
So radelte ich also auf der B1 ein Stueck Richtung Norden und bog dann auf die Sandpiste ab, die zum Koecherbaumwald fuehrt. Ich waere gerne abgestiegen und ein wenig durch den Busch gewandert, einmal abseits der Wege laufen, was wegen der Farmzaeune meist unmoeglich ist, sah das Risiko eines eventuellen Skorpion- oder Schlangenbisses aber als zu gross an. Zumal ich ja alleine und auch nur in Sandalen unterwegs war.</p>
<p>So fuhr ich weiter, entdeckte aber trotzdem einige Geckolein und Eidechsen. An gruenem Gras und kleinen Blumen konnte man sehen, wo sich jetzt versiegte Baeche entlanggeschlaengelt hatten. Ich erinnerte mich zurueck an die Begegnung mit Dorothea im Zug von Windhuk nach Keetmanshoop. Damals schwaermte die Dame von dem saftigen Gruen, das ihr Land angeblich gerade ueberzog und freute sich daran, waehrend ich nur bei mir dachte &#8220;Wo sieht sie bloss was Gruenes? Das ist doch alles vertrocknet!&#8221;. Letztendlich ist das Ansichtssache, aber ich habe den Regen schnell zu schaetzen gelernt.</p>
<p>Seit Ostern hatte es nicht mehr geregnet. Gestern aber oeffnete der Himmel seine Schleussen und es kam viel zu viel Wasser auf einmal herunter. Die voellig ausgetrocknete Erde konnte das alles gar nicht schnell genug aufnehmen. Binnen Stunden fuellten sich die sandigen Flussbetten und wurden zu richtigen Flussen, an vielen Ecken sammelte sich das Wasser, von wo es erst in den naechsten Tagen wieder abfliessen wird. Im Sandkasten unseres Kindergartens kann man nun chwimmen. Das Wasser steht 30 cm hoch darin.</p>
<p>Fuer heute soll das genuegen. Das Prozedere um den Papst und sein Ableben bekommen wir hier fast live mit, da Miss Cathline fuer ihr Leben gern den lieben langen Tag <span class="caps">CNN</span> schaut. Wir sind also bestens informiert.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Liebe Gruesse aus dem Land der Eidechsen.</p>
<p>Carolin</p></div>
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		<title>The Namibian (3) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 17:16:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom 31. März 2005:
Hallo ihr da.
Die Osterfeiertage sind nun endlich vorbei, ich bin seit fast zwei Wochen hier in Keetmanshoop und es ist viel passiert…


Gruendonnerstag bis Ostermontag waren gespickt mit jedweder Art von Gottesdienst. Taeglich hatte man mindestens ein Mal die Gelegenheit, den Heiligen Geist zu empfangen, entweder in der hiesigen St. Stanislaus-Kirche oder der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom 31. März 2005:</p>
<p>Hallo ihr da.</p>
<p>Die Osterfeiertage sind nun endlich vorbei, ich bin seit fast zwei Wochen hier in Keetmanshoop und es ist viel passiert…</p>
<p><span id="more-30"></span></p>
<div class="serendipity_entry_extended">
<p>Gruendonnerstag bis Ostermontag waren gespickt mit jedweder Art von Gottesdienst. Taeglich hatte man mindestens ein Mal die Gelegenheit, den Heiligen Geist zu empfangen, entweder in der hiesigen St. Stanislaus-Kirche oder der zwei Kilometer entfernten OLPH-Gemeinde (<span class="caps">OLPH</span> = Our Lady of the Perpetual Help). Nachdem ich am ersten Sonntag nach meiner Ankunft und am Gruendonnerstag noch der Heiligen Messe beigewohnt hatte, glaenzte ich in den folgenden Tagen durch Abwesenheit.</p>
<p>Die Gottesdienste ziehen sich Dank der besonders motivierten Helferinnen, die ein Lied nach dem anderen anstimmen, gerne in die Laenge. Im Gegensatz zum deutschen Pendant sind die namibischen Messen durchaus gut zu ueberstehen, selbst wenn man keine Kirchgaengerin ist. Die Leute singen voller Enthusiasmus und lassen ihren Glauben zum Himmel klingen.</p>
<p>Und trotzdem widmete ich mich am Karfreitag und Samstag lieber den achtzehn Ostereiern, die ich bemalen und dem Marmorkuchen (ja, Mama, es war doch gut, dass ich zu Hause immer nur den einen gemacht hab), den ich backen sollte. Beides zog sich enorm in die Laenge. Die winzigen Eier brauchten fast eine halbe Stunde bis sie hart waren, den Kuchen hatte ich insgesamt fast drei Stunden im Backofen. Irgendwas hat da wohl nicht gepasst..</p>
<p>Waehrend der Osterwoche hatte ich ausser oben Genanntem nichts Konkretes zu tun, also war mir langweilig und ich bekam boeses Heimweh. Ich hatte alle Zeit der Welt und versuchte, diese mit ein bisschen Nama-Literatur totzuschlagen. Inzwischen weiss ich gut Bescheid ueber die Geschichte Namibias, die Kulturen etc. Kein Wunder, so war das suedliche Afrika und speziell Namibia ja schon seit langem mein Steckenpferd und daher auch mein Pruefungsthema an der Uni. Trotzdem werde ich von Pater Rebmann mit immer neuem Material versorgt, der Lese- und Lernstoff geht mir also sicher nicht aus.</p>
<p>Den bisher schoensten Tag hatte ich am Ostersonntag. Zeitig, gleich nach dem Fruehstueck, brachen Pater Rebmann und ich zu einer kleinen Siedlung namens Khoixas auf, die ca. 80 km oestlich von Keetmanshoop liegt. Dort sollte ein grosser Ostergottesdienst gefeiert werden. Und noch ein Ereignis stand an: das Fest zur Wahl des Diakons von Khoixas zum Minister fuer Umwelt und Tourismus!<br />
Auf der Rueckbank unseres Toyota sassen zwei Maedchen Anfang zwanzig, die an diesem besonderen Tag ihre Verwandten besuchen wollten. Die Sandpad wand sich durch die suedliche Dorn- und Buschsavanne hindurch, vorbei an der Farm Gariganus, eine der wohl beruehmtesten Touristenattraktionen in der Region. Denn auf genau dieser Farm steht der einzigartige Koecherbaumwald!</p>
<p>Koecherbaeume wachsen nur in Namibia, koennen bis zu acht Meter hoch werden und haben ihren Namen von der frueheren Gepfolgenheit der San, deren ausgehoehlte Aeste als Koecher fuer ihre Pfeile zu benutzen. Sie wachsen auf steinigem Untergrund, der auf der Farm massenhaft vorhanden ist.</p>
<p>Nur wenige hundert Meter weiter findet man den Giants&#8217; Playground, den Spielplatz der Riesen, ein Stein- und Geroellgebiet, das aussieht, als haetten Riesen darauf mit Steinen und Felsen ihre Tuermchen gebaut. Eine weitere Attraktion der Farm sind drei gezaehmte Geparden, bei deren Fuetterung am spaeten Nachmittag man live dabei sein kann. Angeblich ist es sogar moeglich, sie in ihrem Gehege im Beisein des Waerters zu streicheln.</p>
<p>Es war ein schoener Zufall, dass ein Gepard direkt an der Strasse hinter dem Zaum lag und sich sonnte. Wer mich kennt, kann sich meine Begeisterung fuer diese grosse Katze sicher vorstellen.. Ich naeherte mich ihr vorsichtig, bis ich direkt am Zaun kniete. Der Gepard war groesser als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er fauchte mich an und stand dann langsam auf. Waehrend er davon lief, zueckte ich meine Kamera. Ich hatte schon Angst, dass mir mein Fotomodell durch die Lappen gehen wuerde, da ich alles von Hand einstellen muss, damit hinterher auch die Belichtung stimmt.<br />
In Situationen wie dieser wuensche ich mir oft eine vollautomatische Spiegelreflex. Waehrend ich an meinem alten Kasten herumnestelte, blieb der Gepard ploetzlich stehen und ich konnte mein Foto schiessen. Was fuer eine Begegnung! Ich kann es kaum erwarten, bei einer der Fuetterungen dabei sein zu duerfen.</p>
<p>In Khoixas angekommen zeigten mir unsere beiden Mitfahrerinnen die Siedlung und fuehrten mich ueberall herum. Was fuer ein netter Menschenschlag, den ich hier antraf. Es war etwas Besonderes fuer sie, eine Besucherin aus Europa dort zu haben, das gibt es nur ganz selten. Darueber aufgeklaert wer ich war, wurden sie aber erst in der Heiligen Messe, die nach eineinhalbstuendiger Verspaetung &#8212; Pater Rebmann musste vorher noch einigen Leuten die Beichte abnehmen &#8212; endlich beginnen konnte.</p>
<p>Die Leute von Khoixas gehoeren nicht der ethnischen Gruppe der Nama an, sondern sind groesstenteils Herero- und Ovambostaemmig, sprechen aber fast durchgehend Namataal, die Sprache der Nama. Sie unterscheiden sich schon rein koerperlich von den eher kleinen, rundlichen Nama mit den Mandelaugen und der mittel- bis rotbraunen Haut. Erstere gehoeren zu den Bantuvoelkern, haben also eine dunkel- bis schwarzbraune Hautfarbe und einen hoeheren Wuchs, sowie ausgepraegtere Gesichtszuege.</p>
<p>An dem Beispiel Khoixas sieht man, dass sich ethnische Gruppen nicht einfach ohne weiteres definieren lassen: Die Grossmutter eine Ovambofrau, die Eltern Herero und Nama, die Sprachen Afrikaans und Nama. Aber wer will schon definieren? Feiern wollten wir! Und zwar die Ostermesse.</p>
<p>In die kleine Kirche stroemten alle hinein. Die wenigen Bewohner von Khoixas und dem Umland und natuerlich die Kinder des benachbarten Internats, insgesamt an die 250 Personen. Muetter, manchmal auch Vaeter mit ihrem Nachwuchs, Teenager und Greise fuellten die reihen. Kleinkinder wurden auf dem Boden zum Schlafe abgelegt und als wir endlich mit dem Gottesdienst begannen, war der Sound gigantisch: Ohne zuvor Proben und Generalprobe abgehalten zu haben, pries die Gemeinde die Auferstehung Jesu und sang mit einer Hingabe und einer Stimmgewalt, mehrstimmig, wie ein gestandener Gospelchor. Mir fehlen jetzt noch die Worte dafuer, es war einfach ueberwaeltigend. Wie mickrig sehen in Relation dazu daneben die Ergebnisse monatelanger Proben deutscher Gospelchoere aus…</p>
<p>Nach eineinhalb Stunden war die Messe vorbei. Was blieb war ein gutes Gefuehl. Mit einigen Personen unterhielt ich mich naeher, bekam andere vorgestellt und wurde immer wieder willkommen geheissen. Pater Rebmann und ich bekamen in einem seperaten Raum das Essen serviert, was mir auf der einen Seite unangenehm war, fuehlte ich mich doch sowieso schon fremd und waere gerne Teil der Gemeinschaft gewesen. Andererseits aber hatte ich so die Gelegenheit, ueber das Erlebte mit Pater Rebmann zu sprechen, worueber ich letztendlich doch recht froh war.<br />
Dann kam noch der frischgebackene namibische Umweltminister zur Tuer herein und schuettelte uns die Hand und ich war mir sicher, einem Politiker diesen Ranges nie mehr so nahe zu kommen.</p>
<p>Den Kontakt zu den beiden Maedchen versuche ich aufrechtzuerhalten. Vielleicht ergibt sich ja die Moeglichkeit, mal fuer einige Tage in Khoixas zu campieren und zu helfen.</p>
<p>Soviel fuer heute. Jetzt bin ich muede und moechte schlafen. (&#8230;)</p>
<p>Bis denn, viele Gruesse nach Deutschland.</p>
<p>Carolin</p></div>
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		<item>
		<title>The Namibian (2) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
		<link>http://www.namibiablog.org/2009/03/31/the-namibian-2-erinnerungen-aus-namibia/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 17:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
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		<category><![CDATA[keetmanshoop]]></category>

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		<description><![CDATA[Donnerstag, 31. März 2005:
Hallo Deutschland.
Die alte Miss Cathline, die aus Angst vor Einbrechern in die Pfarrei gezogen ist und jetzt zwei Zimmer neben mir wohnt, hat mir von den Steingraebern erzaehlt, die es auf Tschaunaup gibt. &#8230;


Dort sind die Ordensschwestern der Mission begraben. Eine von ihnen, eine Oesterreicherin, war psychisch wohl nicht mehr ganz auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Donnerstag, 31. März 2005:</p>
<p>Hallo Deutschland.</p>
<p>Die alte Miss Cathline, die aus Angst vor Einbrechern in die Pfarrei gezogen ist und jetzt zwei Zimmer neben mir wohnt, hat mir von den Steingraebern erzaehlt, die es auf Tschaunaup gibt. &#8230;</p>
<p><span id="more-27"></span></p>
<div class="serendipity_entry_extended">
<p>Dort sind die Ordensschwestern der Mission begraben. Eine von ihnen, eine Oesterreicherin, war psychisch wohl nicht mehr ganz auf der Hoehe und so wurde sie auf die Farm geschickt.<br />
Eines Abends kam sie von ihrem Spaziergang nicht mehr zurueck. Man suchte sie vergeblich. Nach drei Tagen fand man sie tot, unter einem Baum knieend und mit einem Rosenkranz zwischen den gefalteten Haenden. Sie hatte sich mit Sicherheit verlaufen. Das Steingrab, in dem sie begraben wurde, ist ueberirdisch, da man in den harten, steinigen Boden keine Loecher graben kann. So wurden um das eigentliche Grab viele Steine drumherum gehaeuft.</p>
<p>Miss Cathline arbeitet schon seit ueber dreissig Jahren fuer die Dioezese. Wohl deshalb wird sie trotz ihrer 84 Jahre nicht entlassen. Sie ist zur Haelfte taub, darum ist es sehr schwierig, sich mit ihr zu unterhalten. Ich komme mir so bloed vor, wenn ich sie staendig anschreien muss, damit sie mich versteht.</p>
<p>Am Montag, 21. Maerz, brachen wir zu einem Abenteuer der Extraklasse auf. Der diesjaehrige Jugendkreuzweg, eine Aktion der katholischen Kirche, soll von jeder Gemeinde ein wenig mitgestaltet werden. Deshalb liess Pater Rebmann ein Holzkreuz von gigantischen Ausmassen bauen, das fortan von Gemeinde zu Gemeinde wandern soll. Im Norden der Dioezese, in Rehoboth, musste der Anfang gemacht werden, das Kreuz also irgendwie dorthin gelangen. Da dies eine Jugendaktion ist, wer also musste die Sache zu Wege bringen? Richtig, die Jugendlichen.</p>
<p>Ich wurde eingeladen, dabei zu sein und die Reise mit meiner Kamera zu dokumentieren. Mein Vorschlag, in den Norden zu trampen, fanden alle gut � ausser die uebervorsichtigen Schwestern – und so standen wir morgens um halb neun auf der Strasse Richtung Rehoboth, eine der Hauptverkehrsadern des Landes, und wurden auch bald von einem suedafrikanischen Fahrer in seinem Mercedes Vito gegen eine geringe Gebuehr mitgenommen.<br />
Den Rest der Reise erzaehlen meine Tagebucheintraege am authentischsten.</p>
<blockquote><p>Montag, 21. Maerz 2005</p></blockquote>
<blockquote><p>Heute morgen haben wir dieses bloede Kreuz nach Rehoboth geschafft und sind zurueckgetrampt nach Mariental. Da sitze ich jetzt auch und bin total angenervt. Die drei Maedels sind auch einfach zum annerven. Die totalen Huehner. Die kleine kreischt immer herum. Sie heisst Patricia und ist 17. Die andern beiden sind zwar 23, aber von Organisation keine Spur. Jeanet und Franciska.<br />
Jetzt warten wir auf einen Freund, der uns schon eine halbe Stunde hier warten laesst und nicht kommt. Vier Uhr abends ist anscheinend schon zu spaet, um 275 km nach Sueden zu fahren. &#8230; Hoffentlich ueberstehen meine Nerven und ich das heil…</p></blockquote>
<p>Zur Erklaerung: Mariental liegt ungefaehr in der Mitte des Weges von Rehoboth nach Keetmanshoop. Fuer diesen Tag war es unsere vorlaeufige Endstation, da die Maedels nicht so aussahen, als haetten sie vor, noch nach Hause zu trampen. Sie hatten ihre Marientaler Freunde schon lange nicht mehr gesehen und dachten daran, welch tolle Gelegenheit sich ihnen gerade bot. Ob ich wollte oder nicht, ich hatte ja keine andere Wahl, musste ihnen also folgen.</p>
<p>Grundsaetzlich bin ich fuer diese Extra-Touren. Ich habe normalerweise nichts dagegen, Laender auf eine andere als die der Touristenperspektive kennenzulernen. Meist sind die Erfahrungen, die man dabei macht, einzigartig und man moechte sie danach nicht mehr missen. Nur: an diesem Tag war ich sichtlich entnervt, gesundheitlich zudem etwas angeschlagen  und wollte nur noch &#8220;nach Hause&#8221; in mein eigenes Bett nach Keetmanshoop. Stattdessen musste ich darauf vertrauen, dass die drei eine einigermassen akzeptable Uebernachtungsmoeglichkeit organisierten.</p>
<p>Leider fuehlte ich mich die meiste Zeit irgendwie aussen vor und als laestiges Anhaengsel, wogegen die Maedels aber auch nichts weiter taten, sondern im Gegenteil, eher etwas dafuer. Sie liessen mich im Unklaren darueber, was wir jeweils als naechstes taten, fragte ich nach, bekam ich relativ oft ein knappes &#8220;somewhere&#8221; zur Antwort. Es hielt auch keiner fuer noetig, mir zu erklaeren, wo wir uns jeweils befanden und welche Freunde wir gerade besuchten. Ich fragte nach und kam mir dabei selbst laestig vor.</p>
<p>Hier bestaetigte sich mal wieder der sogenannte <em>Clash of Cultures</em>, das Aufeinandertreffen von Menschen verschiedener Kulturen. Allen die meinen, ich haette die Ruhe weg, kann ich jetzt mit einem breiten Grinsen entgegentreten und sagen: kommt mal nach Namibia und ihr werdet erleben, was Gelassenheit, (relative) Sorglosigkeit und Muessiggang bedeutet.</p>
<p>Tatsaechlich uebernachteten wir nach vielem Hin und Her in Hardap, von wo aus es richtig schwierig war, am naechsten Morgen eine Mitfahrgelegenheit zurueck nach Hause zu bekommen. Aber auch diese Huerde meisterten wir, nicht zuletzt auch dadurch, dass ich die &#8220;geniale&#8221; Idee hatte, an einer grossen Tankstelle direkt an der Bundesstrasse einfach mal jemanden anzusprechen, ob er uns ein Stueck mitnaehme, anstatt an der Strasse mit erhobenem Daumen zu warten, bis irgendwann in diesem Jahr jemand anhaelt. So schafften wir die 285 km in knapp sechs Stunden.</p>
<p>Inzwischen bin ich wieder in meinem Zimmer angekommen. Es ist echt schoen, wenn man in einer voellig fremden Umgebung ein Plaetzchen hat, an das man sich zurueckziehen und wo man alleine sein kann. Leider hat mich wohl etwas in den Hals gestochen, wodurch die Lymphknoten und der Stich selbst ziemlich boese angeschwollen sind. Die Schwestern haben mir tatsaechlich Bettruhe verordnet.</p>
<p>Viele Gruesse und bis bald.</p>
<p>Carolin aus Namibia</p></div>
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		<title>The Namibian (1) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2009 18:28:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
		<category><![CDATA[keetmanshoop]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass ich meinen ersten Bericht verfasst habe. Im März 2005 begab ich mich auf mein erstes Namibia-Abenteuer. Es hatte viel zu lange gedauert, bis ich diesen meinen Traum endlich verwirklichen konnte.
Wer wissen möchte, was ich letztendlich dort alles gemacht und erfahren habe, muss sich ein wenig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass ich meinen ersten Bericht verfasst habe. Im März 2005 begab ich mich auf mein erstes Namibia-Abenteuer. Es hatte viel zu lange gedauert, bis ich diesen meinen Traum endlich verwirklichen konnte.</p>
<p>Wer wissen möchte, was ich letztendlich dort alles gemacht und erfahren habe, muss sich ein wenig gedulden und immer brav die Namibia-News lesen.<span id="more-11"></span><span id="__caret">_</span></p>
<p>&#8230;.. &#8230;.. &#8230;..</p>
<p><strong>Hallo aus dem fernen Suedwest…</strong></p>
<p>Ab heute gibt es wieder in den schoensten, unregelmaessigsten Abstaenden meine (Reise-) Erlebnisse. Da mich hin und wieder das Fernweh und die Neugierde auf fremde Kulturen packt, habe ich dieses mal versucht, endlich meinen Traum von Namibia wahrzumachen. Scheinbar hat es geklappt. Ich sitze im sommerlich warmen Keetmanshoop, einer Provinzstadt im Sueden des Landes und erfahre mal wieder Fremdes, Gewohntes, aber auch Eigenartiges, an dem ich euch gerne teilhaben lasse.</p>
<p>Am Mittwochmorgen, 16. Maerz, landete ich mit einer ganzen Menge anderer Deutscher auf dem Internationalen Flughafen, 45 km oestlich von Windhuk. Fuer die dort vorherrschenden Klimaverhaeltnisse war ich eindeutig zu warm gekleidet: Camel Boots, lange Jeanshose, T- und Sweatshirt. Aber das sollte nicht mein Hauptproblem sein. Dieses naemlich wartete im Inneren des Flughafengebaeudes in Form eines weiblichen Immigration Officer auf mich.</p>
<p>Der resoluten Dame gefiel mein Ansinnen, 90 Tage im Land zu bleiben, nicht. Dass ich keine Adresse, beispielsweise eines Hotels, angeben konnte, trug merklich zur Verschaerfung der Situation bei. Ich erklaerte ihr, dass ich nur herumreisen wolle, meine erste Anlaufstation Keetmanshoop sei, ich aber die konkrete Adresse nicht haette, da ich am Bahnhof abgeholt werde. Sie erwiderte mir, dass sie mich ohne Adresse nicht einreisen liesse, ich nun beiseite treten und mir innerhalb von fuenf Minuten einfallen lassen solle, wohin ich nach meinem &#8220;kurzen&#8221; Aufenthalt in Keetmanshoop reisen wolle.</p>
<p>Die Situation war traumatisch fuer mich. War der Traum nun schon von Anfang an geplatzt? Kurzum: nach vielen Beteuerungen meinerseits, dass ich wirklich nur Touristin sei und jemanden besuchen moechte, knallte sie mir letztendlich den erloesenden Stempel in den Pass und ich war drin. Die namibischen Behoerden versuchen zu verhindern, dass Praktikanten und Freiwillige, sogenannte Volunteer Workers, ohne Arbeitsvisum ins Land kommen. Dieses Mal traf der AOLsche Werbeslogan so gar nicht zu, denn es war ueberhaupt nicht einfach.</p>
<p>Die Strecke nach Windhuk hinein ueberbrueckt man normalerweise mit einem Shuttle-Bus, wofuer man den stolzen Preis von umgerechnet 15 Euro loehnen muss. Das geht sicher auch guenstiger, dachte ich mir und sprach die inzwischen letzten auf dem Flughafen verweilenden Deutschen an. Ich hatte Glueck: die neunkoepfige Gruppe, allesamt End-Zwanziger, nahm mich in einem ihrer beiden Mietwagen mit nach Windhuk-Mitte. Eigentlich waere ich schon froh gewesen, wenn sie mich nur am Bahnhof abgesetzt haetten. Da wir uns aber so gut verstanden, verbrachte ich den ganzen Tag mit ihnen. Mein Zug in Richtung Keetmanshoop fuhr erst am Abend los und so versorgten wir uns zuerst mit Essbarem und suchten danach einen netten, gruenen Park etwas oberhalb des Zentrums auf.</p>
<p>Ich weiss nicht mehr, warum wir ausgerechnet diesen Fleck ansteuerten, aber es war wahrscheinlich eher kein Zufall, dass er genau zwischen Christuskirche, Reiterdenkmal und den Regierungsgebaeuden lag. Das Reiterdenkmal ist ein Relikt aus der Zeit von Deutsch-Suedwest und war ein Geschenk an den Kaiser im Jahre 1912. Ebenso die evangelische Christuskirche, die 1910 in einem Mix aus Jugendstil, Neoromantik und Gothik erbaut wurde und als ein Wahrzeichen des &#8220;weissen&#8221; Windhuk gilt. So imposant sie in den Reisefuehrern immer dargestellt wird, ist sie in Wirklichkeit recht klein. Ich finde, dass sie wie eine Spielzeugkirche aussieht.<br />
In eben jenem Park lag ich also im Schatten einer dicken Palme, um mich herum meine neuen Bekannten und ein paar ueberhaupt nicht neugierige Eidechsen, von denen sich eine bis auf den ins Gesicht gezogenen Hut meines Nachbarn vorwagte. Es war wohl gegen 13 Uhr und wir taten es damit der einheimischen schwarzen Bevoelkerung gleich. Wir stiegen auf den allmittaeglichen Energiesparmodus um.</p>
<p>Im Zug lernte ich Dorothea kennen. Sie ist gebuertige Namibierin, ihre Eltern aber wanderten 1900 von Deutschland nach Suedwestafrika aus. In ihrer Sprache kommt noch die alte, &#8220;weisse&#8221; Ideologie zum Vorschein, die man bei uns Rassismus nennen wuerde. Trotzdem ist es sehr interessant, der alten Dame zuzuhoeren. Ein echtes namibisches Urgestein. Die kurze Schilderung ihres Lebens, die sie mir gibt, spiegeln dieses genauso wieder, wie auch ihr Gesicht, das braungebrannt und von vielen Falten durchzogen ist. Jetzt wohnt Dorothea auf einer Farm suedlich von Keetmanshoop, ihre Kinder in Luederitz. Und wenn ich ihr meine Nummer gaebe, wuerde sie vielleicht einen Besuch bei ihnen arrangieren koennen.</p>
<p>Am Bahnhof in Keetmanshoop empfing uns Pater Rebmann, der auch sofort feststellte, dass sie die Tochter des im Sueden sehr bekannten Farmers Cassi Schroeder ist und er sich freue, sie kennenzulernen. Und dann folgten fuenf Minuten Austausch alter Geschichten.</p>
<p>Zur Zeit wohne ich also hier im pastoralen Zentrum, dem Bischoffssitz. Um eine Parkanlage mit Bougainvilleen und anderen gruenen und bluehenden Baeumen herum stehen einige Bauten, darunter das Wohn- und Arbeitsgebaeude Pater Rebmanns, die katholische Kirche, ein Komplex Gaestezimmer und die Wohnraeume der Pfarrgemeinde, wo auch ich mein Zimmer habe. Pater Rebmann ist derjenige, der sozusagen fuer mich verantwortlich ist. Ansonsten sorgt eine Koechin mit Spitznamen Cookie fuer unser leibliches Wohl. Sie putzt auch und kuemmert sich um die Waesche. Urspruenglich kommt sie aus Aus, suedlich von hier.</p>
<p>Der namibische Sommer dauert von Mitte Dezember bis Mitte Maerz. In dieser Zeit regnet es meist ab dem spaeten Nachmittag immer wieder ein bisschen. Dem total ausgedoerrten Boden im Sueden des Landes tut dies nur gut. Die Leute sehnen den Regen richtig herbei. Umso mehr wundert es mich, wie sich die Gemeinde einen Luxus wie den eines Staedtischen Schwimmbades leisten kann. Birgit, eine Deutsche aus dem Allgaeu, die hier fuer <span class="caps">MISEREOR</span> arbeitet, meinte gestern, dass es ein Verlustgeschaeft waere. Die Instandhaltung eines 50 × 25 Meter-Beckens wuerde niemals durch die laecherlichen Eintrittspreise gedeckt.</p>
<p>Tagebucheintrag von Freitag, 18. 3. 2005:</p>
<blockquote><p>Wenn man hier etwas lernt, dann ist das Geduld. Ich wuerde so viele Dinge hier lieber heute als morgen sehen und erleben. Aber ich muss abwarten. Vieles kommt noch und wenn die Zeit dann da ist, wird mich Pater Rebmann (hoffentlich!) dort mithin nehmen.<br />
So wie heute in den Kindergarten.<br />
Schwester Josepha Aloisia hat mich dort herumgefuehrt. Normalerweise haetten sie ca. 130 Kinder, da die naechste Woche aber holidays sind &#8212; wegen des Unabhaengigkeitstages am 21. und wegen Ostern &#8212; sind es heute nur 80. Ich muss zugeben, dass ich bei deren Anblick fast dahingechmolzen bin. Die sind ja soo suess! Der ueberwiegende Teil ist wirklich bildhuebsch. Und was gerade ich so interessant finde, sind die verschiedenen Gesichter, aus denen man manchmal die unterschiedliche Herkunft herauslesen kann.</p></blockquote>
<blockquote><p>Drei oder vier von ihnen sprechen nur Englisch, das sind dann Kinder kenianischer, simbabwischer oder tanzanischer Eltern. Die anderen sprechen Afrikaans und manche davon auch Nama. Den Grossteil der Kinder haette man waehrend der Apartheid &#8212; der Zeit der Rassentrennung, die Gott sei Dank offiziell vorbei ist &#8212; als Coloureds = Farbige deklariert. Heute sind sie nicht mehr zu hundert Prozent den Nama oder sonstigen ethnischen Gruppen zuzuordnen. Manche sind erstaunlich hell, so hell, dass ich sie problemlos fuer Weisse gehalten haette.</p></blockquote>
<blockquote><p>Im Laufe des Morgens bekam ich meinen ersten Afrikaans-Unterricht von den Kindergartenkindern. Ich kann schon bis zehn zaehlen und einfache Saetze nachplappern. Da das Afrikaans dem Hollaendischen so aehnlich is, kann ich mir so manche Dinge einfach gut merken. Oft denke ich, dass das irgendein deutscher Dialekt sein koennte. Jetzt habe ich also eine Woche Zeit, mein Afrikaans zu vertiefen. &#8230;</p></blockquote>
<blockquote><p>Schokolade als Mitbringsel nach Namibia zu bringen, ist einfach ein Fehler. Bei 30 Grad im Schatten verlaeuft einfach alles. Und weil der Ort hier ca. Auf 1000 Metern ue. M. Liegt, scheint die Sonne intensiv. Draussen im Hof bluehen Bougainvilleen in Weiss und violettem Pink. Wenn die Kirche nicht nebendran stuende, kaeme mir der Bischoffssitz wie eine Ferienanlage vor. Eine kleine, gepflegte Parkanlage.</p></blockquote>
<blockquote><p>Kurz vor halb sieben Abends: bin wieder zurueck von meinem Spaziergang. Ich war heute zum ersten mal alleine draussen. Eigentlich wollte ich ins Internet-Cafe und in den Spar, um mir Mineralwasser zu kaufen. Das Leitungswasser schmeckt irgendwie nach Schwimmbad, nur ohne Chlor.</p></blockquote>
<blockquote><p>Fuenfzehn namibische Dollar pro halbe Stunde Internet ist schon unverschaemt teuer. Das ist ja mehr als in Deutschland. (Anmerk.: 1 namib. Dollar = 15 Euro-Cent) Bin also weitergelaufen zum Spar. Ich war zwar nicht die einzige Weisse, aber die Einzige, die so bleich war wie Elfenbein. Also sehe ich nicht aus wie eine Namibierin. Mist! Das klappt irgendwie nie mit dem Nichtauffallen. Aber es war nicht so wie in Peru, wo alle Maenner die totalen Supermachos sind. Nee, hier hab ich hoechstens ein paar &#8220;hello&#8221; gehoert, was Keetmanshoop schonmal symphatisch macht.</p></blockquote>
<p>Am Samstag fuhren wir zu der pfarrgemeindeeigenen, aber hoechst unrentablen Farm Tschaunaup. Auf 10.000 Hektar gibt es ausser bei den beiden Huetten der Hirten und der Missionsstation nur wenig Schatten. Trotz der Wolken hatten wir an die 30 Grad. Die Hirten, das sind einmal die Eltern und die Grossmutter eines kleinen Maedchens namens Gunna, das wir an diesem Tag mit zur Farm nahmen, und einmal ein alleinstehender Mann um die 40. Alle gehoeren sie zur ethnischen Gruppe der Nama. Als Schaf- und Ziegenhirten bekommen sie von der katholischen Kirche ein eher kleines Gehalt, um das sie viele Leute dennoch beneiden wuerden. Pfarrer Klaus, der hier als Administrator arbeitet, und Birgit gaben mir an diesem Tag einige Einblicke ueber die Nama. Es herrsche ein gewisses System von Geben und Nehmen, was leider oft ein wenig einseitig interpretiert werde. Einige Beispiele?</p>
<p>Die kleine Gunna lebt waehrend der Schulzeit bei Bekannten in Keetmanshoop. Wenn sich Pfarrer Klaus grosszuegig gibt oder sich die Familie in Not befindet, stellt er seine Hilfe in Form von Essbarem oder einer kleinen Finanzspritze zur Verfuegung. Er macht dies freiwillig.<br />
Den Zettel der Schule, den Gunna ihren Eltern mitbrachte, auf dem stand, dass die Schulgebuehren faellig werden, hielt ihr Vater daraufhin empoert Pfarrer Klaus entgegen: &#8220;Warum haben Sie die Schulgebuehren noch nicht bezahlt?&#8221;.<br />
An diesem Tag war seine Laune besonders schlecht. Da Tschaunaup ca. eineinhalb Fahrstunden von Keetmanshoop entfernt liegt, ist die Familie darauf angewiesen, dass man ihr einmal pro Woche Nahrung, sonstige Dinge des taeglichen Lebens, sowie Sonderwuensche frei Huette liefert. Dies wird aufgeschrieben und ihnen am Ende des Monats vom Gehalt abgezogen. Birgit hatte zwar den Tabakbeutel dabei, das Telefonbuch aber hatte sie vergessen. Dessen Blaetter waeren zum Drehen gewesen. Schlechte Laune war also vorprogrammiert.</p>
<p>Tabak ist der Schluessel zu allem. Wenn man etwas von den Menschen hier moechte, sollte man Tabak mitbringen. Zu alledem wollten wir auch noch drei Schafe geschlachtet bekommen. Osterlaemmer. Arbeit? Und das am hellichten Tage! Jetzt war die Laune des Hirten wirklich an ihrem Tiefpunkt.</p>
<p>Waehrend er das blutige Handwerk erledigte, machten wir uns auf den Weg zu der Missionsstation im Inneren der Farm. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut, vermachte sie der deutsche Farmer nach seinem Tod ca. 1944 der Katholischen Kirche. Zu Beginn wohnten Schwestern dort, die den Kindern der Hirten in der Missionsschule Unterricht gaben. Seit mehreren Jahrzehnten aber ist die Mission dort verlassen und wird in unregelmaessigen Abstaenden von der Pfarrgemeinde instand gehalten, verfaellt aber trotzdem mit der Zeit.<br />
In einem Sonnenofen liessen wir einen Rosinen-Hefekuchen backen. Danach gab es fuer die anderen Kudusteaks und fuer alle Spinat und Sojageschnetzeltes. Zufaellig fanden wir in einem der Raeume etwas Zeitungspapier, mit dem wir auf dem Rueckweg den Hirten begluecken konnten. Die inzwischen ausgenommenen Schafe wurden zerteilt, ein kleiner Teil davon dem Schaefer zu Ostern ueberlassen. Jetzt war der Tag fuer ihn gerettet.</p>
<p>So, viele Gruesse aus Keetmanshoop an alle von mir.</p>
<p>Carolin</p>
<p>PS: Und fuer alle, denen der Betreff nichts sagt: The Namibian ist eine namibische Zeitung.</p>
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