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	<title>Namibia-Blog &#187; keetmanshoop</title>
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	<description>Neuigkeiten aus Namibia</description>
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		<title>The Namibian (6) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 18:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
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		<description><![CDATA[Sonnige Gruesse aus Namibia! Es gibt da eine Sache, die mir schon laenger im Kopf herumgeistert und immer dann wieder auf den Plan tritt, wenn ich hoere, dass es zu 80% afrikanische Frauen sind, die zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen des Kontinents, aber auch ihrer Familien beitragen: Was machen eigentlich die Frauen von Keetmanshoop? Gehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sonnige Gruesse aus Namibia!</p>
<p>Es gibt da eine Sache, die mir schon laenger im Kopf herumgeistert und immer dann wieder auf den Plan tritt, wenn ich hoere, dass es zu 80% afrikanische Frauen sind, die zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen des Kontinents, aber auch ihrer Familien beitragen: Was machen eigentlich die Frauen von Keetmanshoop? Gehen sie einer geregelten Arbeit nach? In welchen Berufsfeldern sind sie taetig? Und wie lassen sich Kinder und Berufstaetigkeit unter einen Hut bringen? Um bei meinen kleinen Recherchen fuendig zu werden, bediente ich mich meiner treuesten Informantinnen, den Frauen im Kindergarten.</p>
<p><span id="more-57"></span></p>
<p>Irmgard ist 34 Jahre alt und seit zwei Jahren im Aviat-Kindergarten beschaeftigt, gehoert also zu den Frauen mit geregeltem Einkommen. Dies sieht man ihr auch an. Sie legt grossen Wert auf die Pflege von Haaren, Gesicht und Haenden, ein gepflegtes Aeusseres ist ihr wichtig.</p>
<p>Bevor sie die Stellung im Kindergarten annahm, arbeitete sie sechs Jahre lang bei einer NGO (=Non Governmental Organisation; Nicht-Regierungs-Organisation), die sich den Kampf gegen AIDS auf die Fahnen geschrieben hatte. Waehrend dieser Zeit nahm sie an Workshops, Seminaren und internationalen Treffen teil, die sie im suedlichen Afrika herumkommen liessen und sie u. a. nach Sambia und Suedafrika fuehrten. Als die Organisation mangels finanzieller Unterstuetzung aufgeben musste, nahm Irmgard zuerst einige Monate lang einen Job in der pfarreieigenen Bibliothek an, worueber sie letztendlich an die Stellung im Kindergarten kam. Jetzt passt sie jeden Morgen auf die Kleinen der Gansie-Gruppe auf. Ausserdem hat sie einen 15-jaehrigen Sohn.</p>
<p>Ihre Kollegin Silvia, 29, hat ihren 14 Monate alten Sohn Theophilus, kurz Sheepy (Schaefchen) genannt, zu ihrer Schwester auf die Farm gebracht, auf der diese mit ihren Eltern lebt. Im Gegenzug muss sich Silvia um Godfrey, 4, den Sohn der Schwester, kuemmern, der das richtige Alter hat, um in der Schmetterlingsgruppe sein zu duerfen. Regelmaessig schickt Silvia also einen Teil ihres Gehaltes zur Unterstuetzung ihrer Familie auf die Farm, denn wer hat, der muss geben.</p>
<p>Das Konzept der gegenseitigen Hilfe unter den Nama muss sich wohl bewaehrt haben. Oftmals wachsen Kinder nicht bei ihrer Mutter oder ihren Eltern, sondern bei den Grosseltern oder sonstigen Verwandten auf. Viele verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit auch in Internaten und sehen ihre oft weit entfernt lebenden Familien nur waehrend der Ferienzeiten.</p>
<p>Auf Nachfragen nach weiteren Berufen entgegnete mir Irmgard, dass relativ viele Frauen als Lehrerinnen in Vor- und Grundschulen, sowie in weiterfuehrenden Schulen arbeiteten. Andere seien in Verwaltung, staedtischen Aemtern, Sicherheitsdiensten, Supermaerkten und anderen Geschaeften und Privatbetrieben beschaeftigt, womit sie ein relativ sicheres, geregeltes Einkommen haben.</p>
<p>In vielen Privathaushalten sind domestic workers Kindermaedchen, Koechinnen, Putzfrauen, meist alles in einer Person- angestellt. Eine von ihnen ist Margreth, 43 Jahre alt, von allen nur Cooky genannt. Sie kocht, putzt und waescht im pastoralen Zentrum, in dem ich wohne. Ihr Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens und endet meist gegen 13.30 Uhr. Ein klassischer Halbtagsjob also. Fuer ihre Dienste bekommt Cooky monatlich umgerechnet etwa 120 Euro, mit denen sie auch fuer ihre beiden Kinder, 19 und 22, sorgen muss.</p>
<p>Und wie sieht es mit dem Gender-Aspekt aus, den Beziehungen zwischen Frauen und Maennern in einer Gesellschaft?</p>
<p>Irmgard ist nicht verheiratet, wollte den Vater ihres Kindes auch nicht ehelichen und hat sich bewusst dazu entschieden, ihre Sohn alleine grosszuziehen. Als ich sie nach dem Grund fragte, antwortete sie mir: Warum soll ich mich mein ganzes Leben lang an einen Mann binden, den ich nicht liebe, nur weil er der Vater meines Kindes ist? Sie wollte alleine entscheiden, wenn es um die Belange ihres Sohnes ginge und sich von keinem in ihre Angelegenheiten hineinreden lassen. Naechstes Jahr moechte sie sich aber auf die Suche nach einem geeigneten Lebenspartner begeben.</p>
<p>Bei Silvia verhielt es sich nur wenig anders. &#8220;Niemals wuerde ich Sheepys Vater heiraten!&#8221;, entgegnete sie mir auf meine Frage. Das war relativ deutlich. Mir scheint, sie ist froh, wenn sie ihn nicht sehen muss. Per Gesetz ist er allerdings dazu verpflichtet, den Unterhalt fuer seinen Sohn zu zahlen, was er auch tut. Mein Gefuehl dabei war, dass er nur wenig Wert darauf legt, Kontakt zu seinem Kind zu halten.</p>
<p>Auch Cooky ist meines Wissens unverheiratet und ohne Mann im Haus, kommt damit aber gut zurecht.</p>
<p>Ein grosses Problem stellen in diesem Zusammenhang die vielen jungen Muetter dar. Maedchen, die mit sechzehn oder siebzehn Jahren ihre erstes Kind bekommen, haben damit weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung und koennen auch nur selten mit der Unterstuetzung ihres Freundes rechnen. Manchmal wissen sie selbst nicht mehr, wer der Schuldige war. Dann bleibt nur noch, das Kind den Eltern zu geben oder es mit ihrer Hilfe aufzuziehen. Vom Staat gibt es zumindest ein Kindergeld.</p>
<p>Ich habe auch solche Maedchen getroffen: Marcia, 22, und Franciska, 20. Beide sind alleinerziehende Muetter, was in diesem Fall soviel heisst wie, dass die Kinder die meiste Zeit bei den Grosseltern abgestellt werden. Aber nicht etwa, wie vielleicht zu erwarten waere, um den versaeumten Schulabschluss nachzuholen. Wann immer ich die beiden getroffen habe, waren sie bis auf ein einziges Mal ohne ihre Kinder unterwegs. Es scheint mir, die beiden haben den Absprung verpasst. Sie verhalten sich so, als kaemen sie schon irgendwie durchs Leben, wenn auch mehr schlecht als recht. Lieber geniesen sie die Zeit ohne ihre Kinder. Alles klingt ein wenig nach &#8220;Was kummert mich das Morgen? Ich lebe im Heute!&#8221;.</p>
<p>Ich finde so etwas schade und auch unfair der arbeitenden Bevoelkerung gegenueber. Schoen ist es aber zu sehen, dass vielen Menschen etwas an ihrer eigenen Zukunft, sowie auch der ihres Landes liegt.</p>
<p>So, alle Eidechsen haben sich in ihre Schlupfwinkel zurueckgezogen, die Sonne geht langsam unter und mir wird es kalt hier vor den Gemuesebeeten. Deshalb nur kurz bye, bye und bis bald.</p>
<p>Viele Gruesse von Carolin</p>
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		<item>
		<title>The Namibian (5) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2009 20:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hallo und kalte Wintergruesse, Der April macht ja bekanntlich was er will und so ist das auch auf der Suedhalbkugel. Wolkenlose, warme Tage wechseln sich mit halb verregneten, kuehleren ab. Und alle sprechen vom Winter. So lange ich aber in Shorts und T-Shirt nach draussen gehen kann, ist jener fuer mich noch sehr weit entfernt.Heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo und kalte Wintergruesse,</p>
<p>Der April macht ja bekanntlich was er will und so ist das auch auf der Suedhalbkugel. Wolkenlose, warme Tage wechseln sich mit halb verregneten, kuehleren ab. Und alle sprechen vom Winter.</p>
<p><span id="more-49"></span><br />
So lange ich aber in Shorts und T-Shirt nach draussen gehen kann, ist jener fuer mich noch sehr weit entfernt.Heute war es zum ersten Mal etwas kuehler, das Thermometer kletterte nicht weit ueber zwanzig Grad und ein boeiger Wind blaest mir seit heute Morgen die Haare strubbelig. Ansonsten war es aber ein Tag wie viele andere auch.</p>
<p>Mein Wecker klingelte um zwanzig vor sieben, hatte aber wie immer keine Chance gegen mich, da ich jeden Morgen vor ihm wach bin. Ungefaehr zur gleichen Zeit hoerte ich das Tor quietschen. Es war Cooky, unsere Koechin und Haushaelterin, die kurz darauf anfing, im Nachbarzimmer mit Tassen und Tellern zu hantieren, um den Fruehstueckstisch zu decken.</p>
<p>Gegen halb acht fanden sich langsam Miss Cathline und Pater Rebmann ein, letzterer nuschelte sein Tischgebet fuer alle und dann machten wir uns ueber Kaffee und Miliepap her, eine Art Maisgriessbrei, das namibische Nationalgericht. Nach dem Fruehstueck fuhr ich mit meinem roten Fahrrad die Hauptstrasse in Richtung Kindergarten entlang. An der Apotheke vorbei, dem Sportschuhlaedchen, dem Fischgeschaeft, einigen Boutiquen, Versicherungen und dem <span class="caps">SPAR</span>, bog ich schliesslich in das Tor meiner Praktikumsstaette ein. Davor stehen in einer Reihe fuenf riesige Dattelpalmen, deren Wedel heute im Wind rauschten.</p>
<p>Es war ein schoenes Bild, wie sie sich vond er tiefstehenden Sonne beschienen vom azurblauen Himmel abhoben. Ich blieb ein wenig davor stehen und betrachtete sie. Mit Mut fuer den neuen Tag zuredend betrat ich schliesslich das Gebaeude. In ihrem Buero sass Schwester Josepha-Aloysia, der ich im Voruebergehen mein &#8220;Good Morning&#8221; zurief, die anderen Frauen, Elize Pofadder, Mousi Bezuidenhoudt, Irmgard Galandt und Silvia Bezuidenhoudt, begruesste ich auf Afrikaans. Nach der ueblichen, allmorgendlichen halben Gebets- und Singstunde stellten sich die Kinder nach Gruppen getrennt in Zweierreihen auf &#8212; Maedchen vorne, Jungen hinten &#8211;, wurden gezaehlt und danach in ihre Klassenzimmer geschickt.</p>
<p>Eigentlich laufen die Tage im AVIAT-Kindergarten alle gleich ab: spielen/lernen, beten, essen, Spielplatz, essen, spielen/lernen, essen, warten auf das Abgeholt-Werden. Waehrend des ganzen Morgens sind die gewohnten Befehle zu hoeren (&#8220;Jonathan, komm da runter!&#8221;, &#8220;Moravia und Aloise, lasst das!&#8221;), nur ab und zu einmal unterbrochen von kleinen Pipi-Pannen, Traenen bei den Juengsten (&#8220;Runyararo hit me!&#8221;, schluchz) und auch von den netten Storys, die uns der kleine, blonde Kalli gerne erzaehlt und damit, ausser mir, saemtlichen Erzieherinnen auf die Nerven faellt.</p>
<p>Wir gingen also auch heute nach draussen auf den Spielplatz. Seit einigen Tagen habe ich einen kleinen Jungen besonders ins Herz geschlossen. Alistor, vier Jahre alt, ist mein persoenlicher Liebling seit mir seine frappierende Aehnlichkeit mit meiner Cousine Maya, ebenfalls vier, aufgefallen ist. Er koennte glatt ihr Bruder sein. Manchmal schaut er gedankenverloren in die Luft, ist im naechsten Moment aber wieder im Hier und Jetzt und beschaeftigt sich weiter mit seinem Spiel.</p>
<p>Jedenfalls stimmen Mimik und Verhalten bei den beiden so stark ueberein, dass ich oft genug an mich halten muss, um ihn nicht zu knuddeln. Er ist einfach ein ganz suesser Knopf.</p>
<p>Auch heute schaute ich wieder besonders nach ihm, schliesslich steht er unter meinem persoenlichen Schutz. Keiner darf ihm ungestraft weh tun. Deshalb traf mich wohl auch die Szene, die sich kurz vor dem Essen abspielte, so hart: Ich kam gerade zur Kuechentuer heraus, schritt an den beiden Seiten der Terrasse sitzenden Kindern vorbei &#8212; und hoerte ploetzlich ein lautes Schluchzen. Alistor sass da, traenenueberstroemt und wurde von Andrea, seiner kleinen Nachbarin in den Armen gehalten. Ich fragte ihn, was denn passiert sei, waehrend ich ihm ueber seine blonden Locken streichelte. Es stellte sich heraus, dass Andrea ihn in die Wange gekniffen hatte und zwar so stark, dass diese knallrot war und man noch Minuten spaeter die Abdruecke der Fingernaegel darauf sehen konnte. Sich war sich ihrer Schuld wohl bewusst, denn wie um es wieder gutzumachen, legte sie zum Trost den Arm um ihn herum.</p>
<p>Ich war trotzdem wuetend und schimpfte ordentlich mit ihr, dann aber streichelte und pustete ich Alistors Wange in guter, alter &#8220;Heile-heile-Gaenschen-Manier&#8221; bis er aufgehoert hatte zu weinen.</p>
<p>Das einzig aussergewoehnliche, was dann noch geschah, war, dass ich den aelteren Kindern der Hasengruppe ein Buechlein ueber zwei kleine Katzen vorlas. Auf Englisch wohlbemerkt. Ich weiss wirklich nicht, ob aus Respekt oder Interesse, aber obwohl sie mit Sicherheit kaum ein Wort verstanden hatten, hoerten sie mir zu. Miss Bezuidenhoudt und ich, wir uebersetzten in Afrikaans und fragten spielerisch ein paar Vokabeln ab, damit die Kinder schon vor der Schule ein wenig den Umgang mit der namibischen Nationalsprache erlernen.</p>
<p>So, das war es wieder fuer heute. Bleibt mir nur noch zu sagen &#8220;totsiens!&#8221; (&#8230;).</p>
<p>Bis bald und tausend Gruesse</p>
<p>Carolin</p>
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		<item>
		<title>The Namibian (4) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
		<link>http://www.namibiablog.org/2009/04/09/the-namibian-4-erinnerungen-aus-namibia/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 18:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
		<category><![CDATA[afrikaans]]></category>
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		<description><![CDATA[Hallo aus Suedwest. Waehrend ich hier sitze und versuche, euch Bericht zu erstatten, hoere ich draussen ein Auto mit vor lauter Musik donnernden Boxen vorbeifahren. Wahrscheinlich sitzt die Dorfjugend drinnen. Inzwischen ist es kuehler geworden, der namibische Winter beginnt. Obwohl ich so langsam eine schoen braeunliche Farbe angenommen habe, finde ich es doch schade, morgens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo aus Suedwest.</p>
<p>Waehrend ich hier sitze und versuche, euch Bericht zu erstatten, hoere ich draussen ein Auto mit vor lauter Musik donnernden Boxen vorbeifahren. Wahrscheinlich sitzt die Dorfjugend drinnen.</p>
<p><span id="more-46"></span></p>
<p>Inzwischen ist es kuehler geworden, der namibische Winter beginnt.</p>
<div class="serendipity_entry_extended">
<p>Obwohl ich so langsam eine schoen braeunliche Farbe angenommen habe, finde ich es doch schade, morgens und abends bald wieder laengere Hosen anziehen zu muessen. Aber Winter ist nicht gleich Winter und das ist auch gut so. In den hiesigen Gefilden hat man zu dieser Jahreszeit, zumindest vor- und nachmittags, noch um die 25 Grad Celsius. Ich werde das ueberpruefen, schliesslich habe ich diese Information nur aus Buechern.</p>
<p>In den ersten Wochen meines Aufenthalts hoerte ich mich mehr oder weniger aufmerksam in die neue Sprache hinein, erkannte hier und da einige vertraute Worte, verzweifelte immer wieder daran und nervte andauernd meine Mitmenschen mit Fragen wie &#8220;was heisst dies auf Afrikaans?&#8221;. Zunaechst waren es nur einzelne Worte, die ich mir merken konnte, viel zu wenig, um eine Konversation anzufangen. Ich traute mich auch nicht, weil ich mir mit meinem mickrigen Wortschatz selbst bloed vorkam. Am Dienstag, den 29. Maerz, meinem ersten Arbeitstag im Kindergarten, begann ich zum ersten Mal mit den Leuten Afrikaans zu sprechen.</p>
<p>Das dies nicht immer ganz leicht ist, musste ich dort erfahren. Ich stellte den Kindern einfache Fragen, Saetze, die ich mir selbst zusammengeschustert hatte, erntete statt Antworten aber nur ebenso fragende Blicke. Help! Ich muss wohl noch etwas an meiner Aussprache feilen. Oder an der Grammatik. Wohl eher an beidem.</p>
<p>Kleine Afrikaans-Exkursion:</p>
<ul>
<li>Goeie more! &#8212; Guten Morgen!</li>
<li>Ek is mooi. &#8212; Ich bin huebsch.</li>
<li>Jy is lelik. &#8212; Du bist haesslich.</li>
<li>Huilebalk (gespr.: hoeilebalk) &#8212; Heulsuse.</li>
</ul>
<p>Seitdem kamen Tag fuer Tag neue Ausdruecke und Vokabeln hinzu. Meist waren dies die in afrikanischen Kindergaerten so ueblichen Befehle wie &#8220;hoer auf!&#8221;, &#8220;sitz&#8217; richtig!&#8221;, &#8220;schau nach vorne!&#8221;, &#8220;sing!&#8221;, &#8220;Maedchen, geht auf die Toilette! Alle!&#8221;. Hier herrscht Zucht und Ordnung. Jedenfalls haetten die Erzieherinnen das gerne. Am Anfang war ich stark am Zweifeln, und bin es bisweilen noch immer, ob diese Art der Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern, die fast ausschliesslich auf Aufforderungen beruht, nicht doch fehl am Platz ist. Wann immer die Frauen den Mund aufmachen, um mit den Kleinen zu &#8220;reden&#8221;, steht am Ende des Satzes ein Ausrufezeichen.</p>
<p>Vielleicht sind sie mit der Kinderschar auch ueberlastet. Waehrend man in deutschen Kindergaerten oft bis zu drei Erzieherinnen pro Gruppe findet, kommt hier eine Frau auf 25 bis 35 Zwerge. Das ist wie ein Sack Floehe hueten.<br />
Die Hauptaufgabe meines Praktikums ist also der Kindergarten. Um genau zu sein, heisst die Einrichtung &#8220;Aviat Pre-Primary School&#8221;, ist also eine Vorschule. Mutter Aviat war eine ganz besonders kinderliebe Ordensschwester, deshalb traegt jene ihren Namen.</p>
<p>Die ca. 130 Kinder, die jeden Tag dorthin geschickt werden, sind je nach Alter in vier verschiedenen Grupppen untergebracht: die Juengsten, die Drei- bis Vierjaehrigen, das sind die &#8220;Gansies&#8221;, darauf folgen die Vier- bis Fuenfjaehrigen der Butterfly-, also Schmetterlingsgruppe. Die restlichen sind in die Hasen- und Entengruppe aufgeteilt und zwischen fuenf und sechs Jahre alt.</p>
<p>Ich wechsle jede Woche das Klassenzimmer und darf die Arbeit mit einer neuen Gruppe kennenlernen. Fuer die Kinder war es sicher eine Abwechslung der besonderen Art, als ich ploetzlich bei ihnen auftauchte und anfing, dort mitzumschen. Zwei Maedchen waren besonders neugierig, wie sich wie sich ganz weisse Haut anfuehlt, und beruehrten bei jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit meine Hand. Und das, obwohl zwei kleine weisse Jungs mit in ihrer Gruppe sind.</p>
<p>Toleranz gegenueber Andersartigen muss man ihnen gar nicht erst beibringen, denn im Kindergarten sind von Schwarz bis Weiss unzaehlige Abstufungen von Hautfarben vorhanden. Und alle wachsen &#8212; zumindest dort &#8212; wie Kinder auf, nicht wie Mitglieder verschiedener Rassen und Klassen. Das macht die Sache fuer mich so interessant. Manchmal kann ich mich kaum sattsehen. Und vergesse, dass ich eigentlich gerade die Rolle einer Co-Erzieherin inne habe; dabei wuerde ich oft soo gerne einfach mit ihnen spielen, anstatt sie zu hueten und Befehle wie &#8220;spiel&#8217; auf dem Teppich!&#8221; zu erteilen.<br />
Es bleibt mir aber meist nichts anderes uebrig, als mich fuer die &#8220;Authoritaet&#8221; zu entscheiden.</p>
<p>Letzten Samstag verliess ich mit meinem roten Fahrrad, dem Mountainbike des verstorbenen Bischoffs, die Stadt. Ich brauchte dringend Bewegung und auch etwas Abwechslung, denn immer nur Kindergarten und pastorales Zimmer macht einen mit der Zeit schon muerbe.<br />
So radelte ich also auf der B1 ein Stueck Richtung Norden und bog dann auf die Sandpiste ab, die zum Koecherbaumwald fuehrt. Ich waere gerne abgestiegen und ein wenig durch den Busch gewandert, einmal abseits der Wege laufen, was wegen der Farmzaeune meist unmoeglich ist, sah das Risiko eines eventuellen Skorpion- oder Schlangenbisses aber als zu gross an. Zumal ich ja alleine und auch nur in Sandalen unterwegs war.</p>
<p>So fuhr ich weiter, entdeckte aber trotzdem einige Geckolein und Eidechsen. An gruenem Gras und kleinen Blumen konnte man sehen, wo sich jetzt versiegte Baeche entlanggeschlaengelt hatten. Ich erinnerte mich zurueck an die Begegnung mit Dorothea im Zug von Windhuk nach Keetmanshoop. Damals schwaermte die Dame von dem saftigen Gruen, das ihr Land angeblich gerade ueberzog und freute sich daran, waehrend ich nur bei mir dachte &#8220;Wo sieht sie bloss was Gruenes? Das ist doch alles vertrocknet!&#8221;. Letztendlich ist das Ansichtssache, aber ich habe den Regen schnell zu schaetzen gelernt.</p>
<p>Seit Ostern hatte es nicht mehr geregnet. Gestern aber oeffnete der Himmel seine Schleussen und es kam viel zu viel Wasser auf einmal herunter. Die voellig ausgetrocknete Erde konnte das alles gar nicht schnell genug aufnehmen. Binnen Stunden fuellten sich die sandigen Flussbetten und wurden zu richtigen Flussen, an vielen Ecken sammelte sich das Wasser, von wo es erst in den naechsten Tagen wieder abfliessen wird. Im Sandkasten unseres Kindergartens kann man nun chwimmen. Das Wasser steht 30 cm hoch darin.</p>
<p>Fuer heute soll das genuegen. Das Prozedere um den Papst und sein Ableben bekommen wir hier fast live mit, da Miss Cathline fuer ihr Leben gern den lieben langen Tag <span class="caps">CNN</span> schaut. Wir sind also bestens informiert.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Liebe Gruesse aus dem Land der Eidechsen.</p>
<p>Carolin</p></div>
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		</item>
		<item>
		<title>The Namibian (2) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
		<link>http://www.namibiablog.org/2009/03/31/the-namibian-2-erinnerungen-aus-namibia/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 17:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
		<category><![CDATA[hardap]]></category>
		<category><![CDATA[keetmanshoop]]></category>

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		<description><![CDATA[Donnerstag, 31. März 2005: Hallo Deutschland. Die alte Miss Cathline, die aus Angst vor Einbrechern in die Pfarrei gezogen ist und jetzt zwei Zimmer neben mir wohnt, hat mir von den Steingraebern erzaehlt, die es auf Tschaunaup gibt. &#8230; Dort sind die Ordensschwestern der Mission begraben. Eine von ihnen, eine Oesterreicherin, war psychisch wohl nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Donnerstag, 31. März 2005:</p>
<p>Hallo Deutschland.</p>
<p>Die alte Miss Cathline, die aus Angst vor Einbrechern in die Pfarrei gezogen ist und jetzt zwei Zimmer neben mir wohnt, hat mir von den Steingraebern erzaehlt, die es auf Tschaunaup gibt. &#8230;</p>
<p><span id="more-27"></span></p>
<div class="serendipity_entry_extended">
<p>Dort sind die Ordensschwestern der Mission begraben. Eine von ihnen, eine Oesterreicherin, war psychisch wohl nicht mehr ganz auf der Hoehe und so wurde sie auf die Farm geschickt.<br />
Eines Abends kam sie von ihrem Spaziergang nicht mehr zurueck. Man suchte sie vergeblich. Nach drei Tagen fand man sie tot, unter einem Baum knieend und mit einem Rosenkranz zwischen den gefalteten Haenden. Sie hatte sich mit Sicherheit verlaufen. Das Steingrab, in dem sie begraben wurde, ist ueberirdisch, da man in den harten, steinigen Boden keine Loecher graben kann. So wurden um das eigentliche Grab viele Steine drumherum gehaeuft.</p>
<p>Miss Cathline arbeitet schon seit ueber dreissig Jahren fuer die Dioezese. Wohl deshalb wird sie trotz ihrer 84 Jahre nicht entlassen. Sie ist zur Haelfte taub, darum ist es sehr schwierig, sich mit ihr zu unterhalten. Ich komme mir so bloed vor, wenn ich sie staendig anschreien muss, damit sie mich versteht.</p>
<p>Am Montag, 21. Maerz, brachen wir zu einem Abenteuer der Extraklasse auf. Der diesjaehrige Jugendkreuzweg, eine Aktion der katholischen Kirche, soll von jeder Gemeinde ein wenig mitgestaltet werden. Deshalb liess Pater Rebmann ein Holzkreuz von gigantischen Ausmassen bauen, das fortan von Gemeinde zu Gemeinde wandern soll. Im Norden der Dioezese, in Rehoboth, musste der Anfang gemacht werden, das Kreuz also irgendwie dorthin gelangen. Da dies eine Jugendaktion ist, wer also musste die Sache zu Wege bringen? Richtig, die Jugendlichen.</p>
<p>Ich wurde eingeladen, dabei zu sein und die Reise mit meiner Kamera zu dokumentieren. Mein Vorschlag, in den Norden zu trampen, fanden alle gut � ausser die uebervorsichtigen Schwestern – und so standen wir morgens um halb neun auf der Strasse Richtung Rehoboth, eine der Hauptverkehrsadern des Landes, und wurden auch bald von einem suedafrikanischen Fahrer in seinem Mercedes Vito gegen eine geringe Gebuehr mitgenommen.<br />
Den Rest der Reise erzaehlen meine Tagebucheintraege am authentischsten.</p>
<blockquote><p>Montag, 21. Maerz 2005</p></blockquote>
<blockquote><p>Heute morgen haben wir dieses bloede Kreuz nach Rehoboth geschafft und sind zurueckgetrampt nach Mariental. Da sitze ich jetzt auch und bin total angenervt. Die drei Maedels sind auch einfach zum annerven. Die totalen Huehner. Die kleine kreischt immer herum. Sie heisst Patricia und ist 17. Die andern beiden sind zwar 23, aber von Organisation keine Spur. Jeanet und Franciska.<br />
Jetzt warten wir auf einen Freund, der uns schon eine halbe Stunde hier warten laesst und nicht kommt. Vier Uhr abends ist anscheinend schon zu spaet, um 275 km nach Sueden zu fahren. &#8230; Hoffentlich ueberstehen meine Nerven und ich das heil…</p></blockquote>
<p>Zur Erklaerung: Mariental liegt ungefaehr in der Mitte des Weges von Rehoboth nach Keetmanshoop. Fuer diesen Tag war es unsere vorlaeufige Endstation, da die Maedels nicht so aussahen, als haetten sie vor, noch nach Hause zu trampen. Sie hatten ihre Marientaler Freunde schon lange nicht mehr gesehen und dachten daran, welch tolle Gelegenheit sich ihnen gerade bot. Ob ich wollte oder nicht, ich hatte ja keine andere Wahl, musste ihnen also folgen.</p>
<p>Grundsaetzlich bin ich fuer diese Extra-Touren. Ich habe normalerweise nichts dagegen, Laender auf eine andere als die der Touristenperspektive kennenzulernen. Meist sind die Erfahrungen, die man dabei macht, einzigartig und man moechte sie danach nicht mehr missen. Nur: an diesem Tag war ich sichtlich entnervt, gesundheitlich zudem etwas angeschlagen  und wollte nur noch &#8220;nach Hause&#8221; in mein eigenes Bett nach Keetmanshoop. Stattdessen musste ich darauf vertrauen, dass die drei eine einigermassen akzeptable Uebernachtungsmoeglichkeit organisierten.</p>
<p>Leider fuehlte ich mich die meiste Zeit irgendwie aussen vor und als laestiges Anhaengsel, wogegen die Maedels aber auch nichts weiter taten, sondern im Gegenteil, eher etwas dafuer. Sie liessen mich im Unklaren darueber, was wir jeweils als naechstes taten, fragte ich nach, bekam ich relativ oft ein knappes &#8220;somewhere&#8221; zur Antwort. Es hielt auch keiner fuer noetig, mir zu erklaeren, wo wir uns jeweils befanden und welche Freunde wir gerade besuchten. Ich fragte nach und kam mir dabei selbst laestig vor.</p>
<p>Hier bestaetigte sich mal wieder der sogenannte <em>Clash of Cultures</em>, das Aufeinandertreffen von Menschen verschiedener Kulturen. Allen die meinen, ich haette die Ruhe weg, kann ich jetzt mit einem breiten Grinsen entgegentreten und sagen: kommt mal nach Namibia und ihr werdet erleben, was Gelassenheit, (relative) Sorglosigkeit und Muessiggang bedeutet.</p>
<p>Tatsaechlich uebernachteten wir nach vielem Hin und Her in Hardap, von wo aus es richtig schwierig war, am naechsten Morgen eine Mitfahrgelegenheit zurueck nach Hause zu bekommen. Aber auch diese Huerde meisterten wir, nicht zuletzt auch dadurch, dass ich die &#8220;geniale&#8221; Idee hatte, an einer grossen Tankstelle direkt an der Bundesstrasse einfach mal jemanden anzusprechen, ob er uns ein Stueck mitnaehme, anstatt an der Strasse mit erhobenem Daumen zu warten, bis irgendwann in diesem Jahr jemand anhaelt. So schafften wir die 285 km in knapp sechs Stunden.</p>
<p>Inzwischen bin ich wieder in meinem Zimmer angekommen. Es ist echt schoen, wenn man in einer voellig fremden Umgebung ein Plaetzchen hat, an das man sich zurueckziehen und wo man alleine sein kann. Leider hat mich wohl etwas in den Hals gestochen, wodurch die Lymphknoten und der Stich selbst ziemlich boese angeschwollen sind. Die Schwestern haben mir tatsaechlich Bettruhe verordnet.</p>
<p>Viele Gruesse und bis bald.</p>
<p>Carolin aus Namibia</p></div>
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		<title>The Namibian (1) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2009 18:28:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass ich meinen ersten Bericht verfasst habe. Im März 2005 begab ich mich auf mein erstes Namibia-Abenteuer. Es hatte viel zu lange gedauert, bis ich diesen meinen Traum endlich verwirklichen konnte. Wer wissen möchte, was ich letztendlich dort alles gemacht und erfahren habe, muss sich ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass ich meinen ersten Bericht verfasst habe. Im März 2005 begab ich mich auf mein erstes Namibia-Abenteuer. Es hatte viel zu lange gedauert, bis ich diesen meinen Traum endlich verwirklichen konnte.</p>
<p>Wer wissen möchte, was ich letztendlich dort alles gemacht und erfahren habe, muss sich ein wenig gedulden und immer brav die Namibia-News lesen.<span id="more-11"></span><span id="__caret">_</span></p>
<p>&#8230;.. &#8230;.. &#8230;..</p>
<p><strong>Hallo aus dem fernen Suedwest…</strong></p>
<p>Ab heute gibt es wieder in den schoensten, unregelmaessigsten Abstaenden meine (Reise-) Erlebnisse. Da mich hin und wieder das Fernweh und die Neugierde auf fremde Kulturen packt, habe ich dieses mal versucht, endlich meinen Traum von Namibia wahrzumachen. Scheinbar hat es geklappt. Ich sitze im sommerlich warmen Keetmanshoop, einer Provinzstadt im Sueden des Landes und erfahre mal wieder Fremdes, Gewohntes, aber auch Eigenartiges, an dem ich euch gerne teilhaben lasse.</p>
<p>Am Mittwochmorgen, 16. Maerz, landete ich mit einer ganzen Menge anderer Deutscher auf dem Internationalen Flughafen, 45 km oestlich von Windhuk. Fuer die dort vorherrschenden Klimaverhaeltnisse war ich eindeutig zu warm gekleidet: Camel Boots, lange Jeanshose, T- und Sweatshirt. Aber das sollte nicht mein Hauptproblem sein. Dieses naemlich wartete im Inneren des Flughafengebaeudes in Form eines weiblichen Immigration Officer auf mich.</p>
<p>Der resoluten Dame gefiel mein Ansinnen, 90 Tage im Land zu bleiben, nicht. Dass ich keine Adresse, beispielsweise eines Hotels, angeben konnte, trug merklich zur Verschaerfung der Situation bei. Ich erklaerte ihr, dass ich nur herumreisen wolle, meine erste Anlaufstation Keetmanshoop sei, ich aber die konkrete Adresse nicht haette, da ich am Bahnhof abgeholt werde. Sie erwiderte mir, dass sie mich ohne Adresse nicht einreisen liesse, ich nun beiseite treten und mir innerhalb von fuenf Minuten einfallen lassen solle, wohin ich nach meinem &#8220;kurzen&#8221; Aufenthalt in Keetmanshoop reisen wolle.</p>
<p>Die Situation war traumatisch fuer mich. War der Traum nun schon von Anfang an geplatzt? Kurzum: nach vielen Beteuerungen meinerseits, dass ich wirklich nur Touristin sei und jemanden besuchen moechte, knallte sie mir letztendlich den erloesenden Stempel in den Pass und ich war drin. Die namibischen Behoerden versuchen zu verhindern, dass Praktikanten und Freiwillige, sogenannte Volunteer Workers, ohne Arbeitsvisum ins Land kommen. Dieses Mal traf der AOLsche Werbeslogan so gar nicht zu, denn es war ueberhaupt nicht einfach.</p>
<p>Die Strecke nach Windhuk hinein ueberbrueckt man normalerweise mit einem Shuttle-Bus, wofuer man den stolzen Preis von umgerechnet 15 Euro loehnen muss. Das geht sicher auch guenstiger, dachte ich mir und sprach die inzwischen letzten auf dem Flughafen verweilenden Deutschen an. Ich hatte Glueck: die neunkoepfige Gruppe, allesamt End-Zwanziger, nahm mich in einem ihrer beiden Mietwagen mit nach Windhuk-Mitte. Eigentlich waere ich schon froh gewesen, wenn sie mich nur am Bahnhof abgesetzt haetten. Da wir uns aber so gut verstanden, verbrachte ich den ganzen Tag mit ihnen. Mein Zug in Richtung Keetmanshoop fuhr erst am Abend los und so versorgten wir uns zuerst mit Essbarem und suchten danach einen netten, gruenen Park etwas oberhalb des Zentrums auf.</p>
<p>Ich weiss nicht mehr, warum wir ausgerechnet diesen Fleck ansteuerten, aber es war wahrscheinlich eher kein Zufall, dass er genau zwischen Christuskirche, Reiterdenkmal und den Regierungsgebaeuden lag. Das Reiterdenkmal ist ein Relikt aus der Zeit von Deutsch-Suedwest und war ein Geschenk an den Kaiser im Jahre 1912. Ebenso die evangelische Christuskirche, die 1910 in einem Mix aus Jugendstil, Neoromantik und Gothik erbaut wurde und als ein Wahrzeichen des &#8220;weissen&#8221; Windhuk gilt. So imposant sie in den Reisefuehrern immer dargestellt wird, ist sie in Wirklichkeit recht klein. Ich finde, dass sie wie eine Spielzeugkirche aussieht.<br />
In eben jenem Park lag ich also im Schatten einer dicken Palme, um mich herum meine neuen Bekannten und ein paar ueberhaupt nicht neugierige Eidechsen, von denen sich eine bis auf den ins Gesicht gezogenen Hut meines Nachbarn vorwagte. Es war wohl gegen 13 Uhr und wir taten es damit der einheimischen schwarzen Bevoelkerung gleich. Wir stiegen auf den allmittaeglichen Energiesparmodus um.</p>
<p>Im Zug lernte ich Dorothea kennen. Sie ist gebuertige Namibierin, ihre Eltern aber wanderten 1900 von Deutschland nach Suedwestafrika aus. In ihrer Sprache kommt noch die alte, &#8220;weisse&#8221; Ideologie zum Vorschein, die man bei uns Rassismus nennen wuerde. Trotzdem ist es sehr interessant, der alten Dame zuzuhoeren. Ein echtes namibisches Urgestein. Die kurze Schilderung ihres Lebens, die sie mir gibt, spiegeln dieses genauso wieder, wie auch ihr Gesicht, das braungebrannt und von vielen Falten durchzogen ist. Jetzt wohnt Dorothea auf einer Farm suedlich von Keetmanshoop, ihre Kinder in Luederitz. Und wenn ich ihr meine Nummer gaebe, wuerde sie vielleicht einen Besuch bei ihnen arrangieren koennen.</p>
<p>Am Bahnhof in Keetmanshoop empfing uns Pater Rebmann, der auch sofort feststellte, dass sie die Tochter des im Sueden sehr bekannten Farmers Cassi Schroeder ist und er sich freue, sie kennenzulernen. Und dann folgten fuenf Minuten Austausch alter Geschichten.</p>
<p>Zur Zeit wohne ich also hier im pastoralen Zentrum, dem Bischoffssitz. Um eine Parkanlage mit Bougainvilleen und anderen gruenen und bluehenden Baeumen herum stehen einige Bauten, darunter das Wohn- und Arbeitsgebaeude Pater Rebmanns, die katholische Kirche, ein Komplex Gaestezimmer und die Wohnraeume der Pfarrgemeinde, wo auch ich mein Zimmer habe. Pater Rebmann ist derjenige, der sozusagen fuer mich verantwortlich ist. Ansonsten sorgt eine Koechin mit Spitznamen Cookie fuer unser leibliches Wohl. Sie putzt auch und kuemmert sich um die Waesche. Urspruenglich kommt sie aus Aus, suedlich von hier.</p>
<p>Der namibische Sommer dauert von Mitte Dezember bis Mitte Maerz. In dieser Zeit regnet es meist ab dem spaeten Nachmittag immer wieder ein bisschen. Dem total ausgedoerrten Boden im Sueden des Landes tut dies nur gut. Die Leute sehnen den Regen richtig herbei. Umso mehr wundert es mich, wie sich die Gemeinde einen Luxus wie den eines Staedtischen Schwimmbades leisten kann. Birgit, eine Deutsche aus dem Allgaeu, die hier fuer <span class="caps">MISEREOR</span> arbeitet, meinte gestern, dass es ein Verlustgeschaeft waere. Die Instandhaltung eines 50 × 25 Meter-Beckens wuerde niemals durch die laecherlichen Eintrittspreise gedeckt.</p>
<p>Tagebucheintrag von Freitag, 18. 3. 2005:</p>
<blockquote><p>Wenn man hier etwas lernt, dann ist das Geduld. Ich wuerde so viele Dinge hier lieber heute als morgen sehen und erleben. Aber ich muss abwarten. Vieles kommt noch und wenn die Zeit dann da ist, wird mich Pater Rebmann (hoffentlich!) dort mithin nehmen.<br />
So wie heute in den Kindergarten.<br />
Schwester Josepha Aloisia hat mich dort herumgefuehrt. Normalerweise haetten sie ca. 130 Kinder, da die naechste Woche aber holidays sind &#8212; wegen des Unabhaengigkeitstages am 21. und wegen Ostern &#8212; sind es heute nur 80. Ich muss zugeben, dass ich bei deren Anblick fast dahingechmolzen bin. Die sind ja soo suess! Der ueberwiegende Teil ist wirklich bildhuebsch. Und was gerade ich so interessant finde, sind die verschiedenen Gesichter, aus denen man manchmal die unterschiedliche Herkunft herauslesen kann.</p></blockquote>
<blockquote><p>Drei oder vier von ihnen sprechen nur Englisch, das sind dann Kinder kenianischer, simbabwischer oder tanzanischer Eltern. Die anderen sprechen Afrikaans und manche davon auch Nama. Den Grossteil der Kinder haette man waehrend der Apartheid &#8212; der Zeit der Rassentrennung, die Gott sei Dank offiziell vorbei ist &#8212; als Coloureds = Farbige deklariert. Heute sind sie nicht mehr zu hundert Prozent den Nama oder sonstigen ethnischen Gruppen zuzuordnen. Manche sind erstaunlich hell, so hell, dass ich sie problemlos fuer Weisse gehalten haette.</p></blockquote>
<blockquote><p>Im Laufe des Morgens bekam ich meinen ersten Afrikaans-Unterricht von den Kindergartenkindern. Ich kann schon bis zehn zaehlen und einfache Saetze nachplappern. Da das Afrikaans dem Hollaendischen so aehnlich is, kann ich mir so manche Dinge einfach gut merken. Oft denke ich, dass das irgendein deutscher Dialekt sein koennte. Jetzt habe ich also eine Woche Zeit, mein Afrikaans zu vertiefen. &#8230;</p></blockquote>
<blockquote><p>Schokolade als Mitbringsel nach Namibia zu bringen, ist einfach ein Fehler. Bei 30 Grad im Schatten verlaeuft einfach alles. Und weil der Ort hier ca. Auf 1000 Metern ue. M. Liegt, scheint die Sonne intensiv. Draussen im Hof bluehen Bougainvilleen in Weiss und violettem Pink. Wenn die Kirche nicht nebendran stuende, kaeme mir der Bischoffssitz wie eine Ferienanlage vor. Eine kleine, gepflegte Parkanlage.</p></blockquote>
<blockquote><p>Kurz vor halb sieben Abends: bin wieder zurueck von meinem Spaziergang. Ich war heute zum ersten mal alleine draussen. Eigentlich wollte ich ins Internet-Cafe und in den Spar, um mir Mineralwasser zu kaufen. Das Leitungswasser schmeckt irgendwie nach Schwimmbad, nur ohne Chlor.</p></blockquote>
<blockquote><p>Fuenfzehn namibische Dollar pro halbe Stunde Internet ist schon unverschaemt teuer. Das ist ja mehr als in Deutschland. (Anmerk.: 1 namib. Dollar = 15 Euro-Cent) Bin also weitergelaufen zum Spar. Ich war zwar nicht die einzige Weisse, aber die Einzige, die so bleich war wie Elfenbein. Also sehe ich nicht aus wie eine Namibierin. Mist! Das klappt irgendwie nie mit dem Nichtauffallen. Aber es war nicht so wie in Peru, wo alle Maenner die totalen Supermachos sind. Nee, hier hab ich hoechstens ein paar &#8220;hello&#8221; gehoert, was Keetmanshoop schonmal symphatisch macht.</p></blockquote>
<p>Am Samstag fuhren wir zu der pfarrgemeindeeigenen, aber hoechst unrentablen Farm Tschaunaup. Auf 10.000 Hektar gibt es ausser bei den beiden Huetten der Hirten und der Missionsstation nur wenig Schatten. Trotz der Wolken hatten wir an die 30 Grad. Die Hirten, das sind einmal die Eltern und die Grossmutter eines kleinen Maedchens namens Gunna, das wir an diesem Tag mit zur Farm nahmen, und einmal ein alleinstehender Mann um die 40. Alle gehoeren sie zur ethnischen Gruppe der Nama. Als Schaf- und Ziegenhirten bekommen sie von der katholischen Kirche ein eher kleines Gehalt, um das sie viele Leute dennoch beneiden wuerden. Pfarrer Klaus, der hier als Administrator arbeitet, und Birgit gaben mir an diesem Tag einige Einblicke ueber die Nama. Es herrsche ein gewisses System von Geben und Nehmen, was leider oft ein wenig einseitig interpretiert werde. Einige Beispiele?</p>
<p>Die kleine Gunna lebt waehrend der Schulzeit bei Bekannten in Keetmanshoop. Wenn sich Pfarrer Klaus grosszuegig gibt oder sich die Familie in Not befindet, stellt er seine Hilfe in Form von Essbarem oder einer kleinen Finanzspritze zur Verfuegung. Er macht dies freiwillig.<br />
Den Zettel der Schule, den Gunna ihren Eltern mitbrachte, auf dem stand, dass die Schulgebuehren faellig werden, hielt ihr Vater daraufhin empoert Pfarrer Klaus entgegen: &#8220;Warum haben Sie die Schulgebuehren noch nicht bezahlt?&#8221;.<br />
An diesem Tag war seine Laune besonders schlecht. Da Tschaunaup ca. eineinhalb Fahrstunden von Keetmanshoop entfernt liegt, ist die Familie darauf angewiesen, dass man ihr einmal pro Woche Nahrung, sonstige Dinge des taeglichen Lebens, sowie Sonderwuensche frei Huette liefert. Dies wird aufgeschrieben und ihnen am Ende des Monats vom Gehalt abgezogen. Birgit hatte zwar den Tabakbeutel dabei, das Telefonbuch aber hatte sie vergessen. Dessen Blaetter waeren zum Drehen gewesen. Schlechte Laune war also vorprogrammiert.</p>
<p>Tabak ist der Schluessel zu allem. Wenn man etwas von den Menschen hier moechte, sollte man Tabak mitbringen. Zu alledem wollten wir auch noch drei Schafe geschlachtet bekommen. Osterlaemmer. Arbeit? Und das am hellichten Tage! Jetzt war die Laune des Hirten wirklich an ihrem Tiefpunkt.</p>
<p>Waehrend er das blutige Handwerk erledigte, machten wir uns auf den Weg zu der Missionsstation im Inneren der Farm. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut, vermachte sie der deutsche Farmer nach seinem Tod ca. 1944 der Katholischen Kirche. Zu Beginn wohnten Schwestern dort, die den Kindern der Hirten in der Missionsschule Unterricht gaben. Seit mehreren Jahrzehnten aber ist die Mission dort verlassen und wird in unregelmaessigen Abstaenden von der Pfarrgemeinde instand gehalten, verfaellt aber trotzdem mit der Zeit.<br />
In einem Sonnenofen liessen wir einen Rosinen-Hefekuchen backen. Danach gab es fuer die anderen Kudusteaks und fuer alle Spinat und Sojageschnetzeltes. Zufaellig fanden wir in einem der Raeume etwas Zeitungspapier, mit dem wir auf dem Rueckweg den Hirten begluecken konnten. Die inzwischen ausgenommenen Schafe wurden zerteilt, ein kleiner Teil davon dem Schaefer zu Ostern ueberlassen. Jetzt war der Tag fuer ihn gerettet.</p>
<p>So, viele Gruesse aus Keetmanshoop an alle von mir.</p>
<p>Carolin</p>
<p>PS: Und fuer alle, denen der Betreff nichts sagt: The Namibian ist eine namibische Zeitung.</p>
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