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	<title>Namibia-Blog &#187; kleuterschool</title>
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	<description>Neuigkeiten aus Namibia</description>
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		<title>The Namibian (6) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 18:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sonnige Gruesse aus Namibia! Es gibt da eine Sache, die mir schon laenger im Kopf herumgeistert und immer dann wieder auf den Plan tritt, wenn ich hoere, dass es zu 80% afrikanische Frauen sind, die zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen des Kontinents, aber auch ihrer Familien beitragen: Was machen eigentlich die Frauen von Keetmanshoop? Gehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sonnige Gruesse aus Namibia!</p>
<p>Es gibt da eine Sache, die mir schon laenger im Kopf herumgeistert und immer dann wieder auf den Plan tritt, wenn ich hoere, dass es zu 80% afrikanische Frauen sind, die zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen des Kontinents, aber auch ihrer Familien beitragen: Was machen eigentlich die Frauen von Keetmanshoop? Gehen sie einer geregelten Arbeit nach? In welchen Berufsfeldern sind sie taetig? Und wie lassen sich Kinder und Berufstaetigkeit unter einen Hut bringen? Um bei meinen kleinen Recherchen fuendig zu werden, bediente ich mich meiner treuesten Informantinnen, den Frauen im Kindergarten.</p>
<p><span id="more-57"></span></p>
<p>Irmgard ist 34 Jahre alt und seit zwei Jahren im Aviat-Kindergarten beschaeftigt, gehoert also zu den Frauen mit geregeltem Einkommen. Dies sieht man ihr auch an. Sie legt grossen Wert auf die Pflege von Haaren, Gesicht und Haenden, ein gepflegtes Aeusseres ist ihr wichtig.</p>
<p>Bevor sie die Stellung im Kindergarten annahm, arbeitete sie sechs Jahre lang bei einer NGO (=Non Governmental Organisation; Nicht-Regierungs-Organisation), die sich den Kampf gegen AIDS auf die Fahnen geschrieben hatte. Waehrend dieser Zeit nahm sie an Workshops, Seminaren und internationalen Treffen teil, die sie im suedlichen Afrika herumkommen liessen und sie u. a. nach Sambia und Suedafrika fuehrten. Als die Organisation mangels finanzieller Unterstuetzung aufgeben musste, nahm Irmgard zuerst einige Monate lang einen Job in der pfarreieigenen Bibliothek an, worueber sie letztendlich an die Stellung im Kindergarten kam. Jetzt passt sie jeden Morgen auf die Kleinen der Gansie-Gruppe auf. Ausserdem hat sie einen 15-jaehrigen Sohn.</p>
<p>Ihre Kollegin Silvia, 29, hat ihren 14 Monate alten Sohn Theophilus, kurz Sheepy (Schaefchen) genannt, zu ihrer Schwester auf die Farm gebracht, auf der diese mit ihren Eltern lebt. Im Gegenzug muss sich Silvia um Godfrey, 4, den Sohn der Schwester, kuemmern, der das richtige Alter hat, um in der Schmetterlingsgruppe sein zu duerfen. Regelmaessig schickt Silvia also einen Teil ihres Gehaltes zur Unterstuetzung ihrer Familie auf die Farm, denn wer hat, der muss geben.</p>
<p>Das Konzept der gegenseitigen Hilfe unter den Nama muss sich wohl bewaehrt haben. Oftmals wachsen Kinder nicht bei ihrer Mutter oder ihren Eltern, sondern bei den Grosseltern oder sonstigen Verwandten auf. Viele verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit auch in Internaten und sehen ihre oft weit entfernt lebenden Familien nur waehrend der Ferienzeiten.</p>
<p>Auf Nachfragen nach weiteren Berufen entgegnete mir Irmgard, dass relativ viele Frauen als Lehrerinnen in Vor- und Grundschulen, sowie in weiterfuehrenden Schulen arbeiteten. Andere seien in Verwaltung, staedtischen Aemtern, Sicherheitsdiensten, Supermaerkten und anderen Geschaeften und Privatbetrieben beschaeftigt, womit sie ein relativ sicheres, geregeltes Einkommen haben.</p>
<p>In vielen Privathaushalten sind domestic workers Kindermaedchen, Koechinnen, Putzfrauen, meist alles in einer Person- angestellt. Eine von ihnen ist Margreth, 43 Jahre alt, von allen nur Cooky genannt. Sie kocht, putzt und waescht im pastoralen Zentrum, in dem ich wohne. Ihr Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens und endet meist gegen 13.30 Uhr. Ein klassischer Halbtagsjob also. Fuer ihre Dienste bekommt Cooky monatlich umgerechnet etwa 120 Euro, mit denen sie auch fuer ihre beiden Kinder, 19 und 22, sorgen muss.</p>
<p>Und wie sieht es mit dem Gender-Aspekt aus, den Beziehungen zwischen Frauen und Maennern in einer Gesellschaft?</p>
<p>Irmgard ist nicht verheiratet, wollte den Vater ihres Kindes auch nicht ehelichen und hat sich bewusst dazu entschieden, ihre Sohn alleine grosszuziehen. Als ich sie nach dem Grund fragte, antwortete sie mir: Warum soll ich mich mein ganzes Leben lang an einen Mann binden, den ich nicht liebe, nur weil er der Vater meines Kindes ist? Sie wollte alleine entscheiden, wenn es um die Belange ihres Sohnes ginge und sich von keinem in ihre Angelegenheiten hineinreden lassen. Naechstes Jahr moechte sie sich aber auf die Suche nach einem geeigneten Lebenspartner begeben.</p>
<p>Bei Silvia verhielt es sich nur wenig anders. &#8220;Niemals wuerde ich Sheepys Vater heiraten!&#8221;, entgegnete sie mir auf meine Frage. Das war relativ deutlich. Mir scheint, sie ist froh, wenn sie ihn nicht sehen muss. Per Gesetz ist er allerdings dazu verpflichtet, den Unterhalt fuer seinen Sohn zu zahlen, was er auch tut. Mein Gefuehl dabei war, dass er nur wenig Wert darauf legt, Kontakt zu seinem Kind zu halten.</p>
<p>Auch Cooky ist meines Wissens unverheiratet und ohne Mann im Haus, kommt damit aber gut zurecht.</p>
<p>Ein grosses Problem stellen in diesem Zusammenhang die vielen jungen Muetter dar. Maedchen, die mit sechzehn oder siebzehn Jahren ihre erstes Kind bekommen, haben damit weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung und koennen auch nur selten mit der Unterstuetzung ihres Freundes rechnen. Manchmal wissen sie selbst nicht mehr, wer der Schuldige war. Dann bleibt nur noch, das Kind den Eltern zu geben oder es mit ihrer Hilfe aufzuziehen. Vom Staat gibt es zumindest ein Kindergeld.</p>
<p>Ich habe auch solche Maedchen getroffen: Marcia, 22, und Franciska, 20. Beide sind alleinerziehende Muetter, was in diesem Fall soviel heisst wie, dass die Kinder die meiste Zeit bei den Grosseltern abgestellt werden. Aber nicht etwa, wie vielleicht zu erwarten waere, um den versaeumten Schulabschluss nachzuholen. Wann immer ich die beiden getroffen habe, waren sie bis auf ein einziges Mal ohne ihre Kinder unterwegs. Es scheint mir, die beiden haben den Absprung verpasst. Sie verhalten sich so, als kaemen sie schon irgendwie durchs Leben, wenn auch mehr schlecht als recht. Lieber geniesen sie die Zeit ohne ihre Kinder. Alles klingt ein wenig nach &#8220;Was kummert mich das Morgen? Ich lebe im Heute!&#8221;.</p>
<p>Ich finde so etwas schade und auch unfair der arbeitenden Bevoelkerung gegenueber. Schoen ist es aber zu sehen, dass vielen Menschen etwas an ihrer eigenen Zukunft, sowie auch der ihres Landes liegt.</p>
<p>So, alle Eidechsen haben sich in ihre Schlupfwinkel zurueckgezogen, die Sonne geht langsam unter und mir wird es kalt hier vor den Gemuesebeeten. Deshalb nur kurz bye, bye und bis bald.</p>
<p>Viele Gruesse von Carolin</p>
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		<title>The Namibian (5) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2009 20:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hallo und kalte Wintergruesse, Der April macht ja bekanntlich was er will und so ist das auch auf der Suedhalbkugel. Wolkenlose, warme Tage wechseln sich mit halb verregneten, kuehleren ab. Und alle sprechen vom Winter. So lange ich aber in Shorts und T-Shirt nach draussen gehen kann, ist jener fuer mich noch sehr weit entfernt.Heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo und kalte Wintergruesse,</p>
<p>Der April macht ja bekanntlich was er will und so ist das auch auf der Suedhalbkugel. Wolkenlose, warme Tage wechseln sich mit halb verregneten, kuehleren ab. Und alle sprechen vom Winter.</p>
<p><span id="more-49"></span><br />
So lange ich aber in Shorts und T-Shirt nach draussen gehen kann, ist jener fuer mich noch sehr weit entfernt.Heute war es zum ersten Mal etwas kuehler, das Thermometer kletterte nicht weit ueber zwanzig Grad und ein boeiger Wind blaest mir seit heute Morgen die Haare strubbelig. Ansonsten war es aber ein Tag wie viele andere auch.</p>
<p>Mein Wecker klingelte um zwanzig vor sieben, hatte aber wie immer keine Chance gegen mich, da ich jeden Morgen vor ihm wach bin. Ungefaehr zur gleichen Zeit hoerte ich das Tor quietschen. Es war Cooky, unsere Koechin und Haushaelterin, die kurz darauf anfing, im Nachbarzimmer mit Tassen und Tellern zu hantieren, um den Fruehstueckstisch zu decken.</p>
<p>Gegen halb acht fanden sich langsam Miss Cathline und Pater Rebmann ein, letzterer nuschelte sein Tischgebet fuer alle und dann machten wir uns ueber Kaffee und Miliepap her, eine Art Maisgriessbrei, das namibische Nationalgericht. Nach dem Fruehstueck fuhr ich mit meinem roten Fahrrad die Hauptstrasse in Richtung Kindergarten entlang. An der Apotheke vorbei, dem Sportschuhlaedchen, dem Fischgeschaeft, einigen Boutiquen, Versicherungen und dem <span class="caps">SPAR</span>, bog ich schliesslich in das Tor meiner Praktikumsstaette ein. Davor stehen in einer Reihe fuenf riesige Dattelpalmen, deren Wedel heute im Wind rauschten.</p>
<p>Es war ein schoenes Bild, wie sie sich vond er tiefstehenden Sonne beschienen vom azurblauen Himmel abhoben. Ich blieb ein wenig davor stehen und betrachtete sie. Mit Mut fuer den neuen Tag zuredend betrat ich schliesslich das Gebaeude. In ihrem Buero sass Schwester Josepha-Aloysia, der ich im Voruebergehen mein &#8220;Good Morning&#8221; zurief, die anderen Frauen, Elize Pofadder, Mousi Bezuidenhoudt, Irmgard Galandt und Silvia Bezuidenhoudt, begruesste ich auf Afrikaans. Nach der ueblichen, allmorgendlichen halben Gebets- und Singstunde stellten sich die Kinder nach Gruppen getrennt in Zweierreihen auf &#8212; Maedchen vorne, Jungen hinten &#8211;, wurden gezaehlt und danach in ihre Klassenzimmer geschickt.</p>
<p>Eigentlich laufen die Tage im AVIAT-Kindergarten alle gleich ab: spielen/lernen, beten, essen, Spielplatz, essen, spielen/lernen, essen, warten auf das Abgeholt-Werden. Waehrend des ganzen Morgens sind die gewohnten Befehle zu hoeren (&#8220;Jonathan, komm da runter!&#8221;, &#8220;Moravia und Aloise, lasst das!&#8221;), nur ab und zu einmal unterbrochen von kleinen Pipi-Pannen, Traenen bei den Juengsten (&#8220;Runyararo hit me!&#8221;, schluchz) und auch von den netten Storys, die uns der kleine, blonde Kalli gerne erzaehlt und damit, ausser mir, saemtlichen Erzieherinnen auf die Nerven faellt.</p>
<p>Wir gingen also auch heute nach draussen auf den Spielplatz. Seit einigen Tagen habe ich einen kleinen Jungen besonders ins Herz geschlossen. Alistor, vier Jahre alt, ist mein persoenlicher Liebling seit mir seine frappierende Aehnlichkeit mit meiner Cousine Maya, ebenfalls vier, aufgefallen ist. Er koennte glatt ihr Bruder sein. Manchmal schaut er gedankenverloren in die Luft, ist im naechsten Moment aber wieder im Hier und Jetzt und beschaeftigt sich weiter mit seinem Spiel.</p>
<p>Jedenfalls stimmen Mimik und Verhalten bei den beiden so stark ueberein, dass ich oft genug an mich halten muss, um ihn nicht zu knuddeln. Er ist einfach ein ganz suesser Knopf.</p>
<p>Auch heute schaute ich wieder besonders nach ihm, schliesslich steht er unter meinem persoenlichen Schutz. Keiner darf ihm ungestraft weh tun. Deshalb traf mich wohl auch die Szene, die sich kurz vor dem Essen abspielte, so hart: Ich kam gerade zur Kuechentuer heraus, schritt an den beiden Seiten der Terrasse sitzenden Kindern vorbei &#8212; und hoerte ploetzlich ein lautes Schluchzen. Alistor sass da, traenenueberstroemt und wurde von Andrea, seiner kleinen Nachbarin in den Armen gehalten. Ich fragte ihn, was denn passiert sei, waehrend ich ihm ueber seine blonden Locken streichelte. Es stellte sich heraus, dass Andrea ihn in die Wange gekniffen hatte und zwar so stark, dass diese knallrot war und man noch Minuten spaeter die Abdruecke der Fingernaegel darauf sehen konnte. Sich war sich ihrer Schuld wohl bewusst, denn wie um es wieder gutzumachen, legte sie zum Trost den Arm um ihn herum.</p>
<p>Ich war trotzdem wuetend und schimpfte ordentlich mit ihr, dann aber streichelte und pustete ich Alistors Wange in guter, alter &#8220;Heile-heile-Gaenschen-Manier&#8221; bis er aufgehoert hatte zu weinen.</p>
<p>Das einzig aussergewoehnliche, was dann noch geschah, war, dass ich den aelteren Kindern der Hasengruppe ein Buechlein ueber zwei kleine Katzen vorlas. Auf Englisch wohlbemerkt. Ich weiss wirklich nicht, ob aus Respekt oder Interesse, aber obwohl sie mit Sicherheit kaum ein Wort verstanden hatten, hoerten sie mir zu. Miss Bezuidenhoudt und ich, wir uebersetzten in Afrikaans und fragten spielerisch ein paar Vokabeln ab, damit die Kinder schon vor der Schule ein wenig den Umgang mit der namibischen Nationalsprache erlernen.</p>
<p>So, das war es wieder fuer heute. Bleibt mir nur noch zu sagen &#8220;totsiens!&#8221; (&#8230;).</p>
<p>Bis bald und tausend Gruesse</p>
<p>Carolin</p>
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		<title>The Namibian (4) &#8212; Erinnerungen aus Namibia</title>
		<link>http://www.namibiablog.org/2009/04/09/the-namibian-4-erinnerungen-aus-namibia/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 18:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin</dc:creator>
				<category><![CDATA[praktikum]]></category>
		<category><![CDATA[afrikaans]]></category>
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		<category><![CDATA[keetmanshoop]]></category>
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		<description><![CDATA[Hallo aus Suedwest. Waehrend ich hier sitze und versuche, euch Bericht zu erstatten, hoere ich draussen ein Auto mit vor lauter Musik donnernden Boxen vorbeifahren. Wahrscheinlich sitzt die Dorfjugend drinnen. Inzwischen ist es kuehler geworden, der namibische Winter beginnt. Obwohl ich so langsam eine schoen braeunliche Farbe angenommen habe, finde ich es doch schade, morgens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo aus Suedwest.</p>
<p>Waehrend ich hier sitze und versuche, euch Bericht zu erstatten, hoere ich draussen ein Auto mit vor lauter Musik donnernden Boxen vorbeifahren. Wahrscheinlich sitzt die Dorfjugend drinnen.</p>
<p><span id="more-46"></span></p>
<p>Inzwischen ist es kuehler geworden, der namibische Winter beginnt.</p>
<div class="serendipity_entry_extended">
<p>Obwohl ich so langsam eine schoen braeunliche Farbe angenommen habe, finde ich es doch schade, morgens und abends bald wieder laengere Hosen anziehen zu muessen. Aber Winter ist nicht gleich Winter und das ist auch gut so. In den hiesigen Gefilden hat man zu dieser Jahreszeit, zumindest vor- und nachmittags, noch um die 25 Grad Celsius. Ich werde das ueberpruefen, schliesslich habe ich diese Information nur aus Buechern.</p>
<p>In den ersten Wochen meines Aufenthalts hoerte ich mich mehr oder weniger aufmerksam in die neue Sprache hinein, erkannte hier und da einige vertraute Worte, verzweifelte immer wieder daran und nervte andauernd meine Mitmenschen mit Fragen wie &#8220;was heisst dies auf Afrikaans?&#8221;. Zunaechst waren es nur einzelne Worte, die ich mir merken konnte, viel zu wenig, um eine Konversation anzufangen. Ich traute mich auch nicht, weil ich mir mit meinem mickrigen Wortschatz selbst bloed vorkam. Am Dienstag, den 29. Maerz, meinem ersten Arbeitstag im Kindergarten, begann ich zum ersten Mal mit den Leuten Afrikaans zu sprechen.</p>
<p>Das dies nicht immer ganz leicht ist, musste ich dort erfahren. Ich stellte den Kindern einfache Fragen, Saetze, die ich mir selbst zusammengeschustert hatte, erntete statt Antworten aber nur ebenso fragende Blicke. Help! Ich muss wohl noch etwas an meiner Aussprache feilen. Oder an der Grammatik. Wohl eher an beidem.</p>
<p>Kleine Afrikaans-Exkursion:</p>
<ul>
<li>Goeie more! &#8212; Guten Morgen!</li>
<li>Ek is mooi. &#8212; Ich bin huebsch.</li>
<li>Jy is lelik. &#8212; Du bist haesslich.</li>
<li>Huilebalk (gespr.: hoeilebalk) &#8212; Heulsuse.</li>
</ul>
<p>Seitdem kamen Tag fuer Tag neue Ausdruecke und Vokabeln hinzu. Meist waren dies die in afrikanischen Kindergaerten so ueblichen Befehle wie &#8220;hoer auf!&#8221;, &#8220;sitz&#8217; richtig!&#8221;, &#8220;schau nach vorne!&#8221;, &#8220;sing!&#8221;, &#8220;Maedchen, geht auf die Toilette! Alle!&#8221;. Hier herrscht Zucht und Ordnung. Jedenfalls haetten die Erzieherinnen das gerne. Am Anfang war ich stark am Zweifeln, und bin es bisweilen noch immer, ob diese Art der Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern, die fast ausschliesslich auf Aufforderungen beruht, nicht doch fehl am Platz ist. Wann immer die Frauen den Mund aufmachen, um mit den Kleinen zu &#8220;reden&#8221;, steht am Ende des Satzes ein Ausrufezeichen.</p>
<p>Vielleicht sind sie mit der Kinderschar auch ueberlastet. Waehrend man in deutschen Kindergaerten oft bis zu drei Erzieherinnen pro Gruppe findet, kommt hier eine Frau auf 25 bis 35 Zwerge. Das ist wie ein Sack Floehe hueten.<br />
Die Hauptaufgabe meines Praktikums ist also der Kindergarten. Um genau zu sein, heisst die Einrichtung &#8220;Aviat Pre-Primary School&#8221;, ist also eine Vorschule. Mutter Aviat war eine ganz besonders kinderliebe Ordensschwester, deshalb traegt jene ihren Namen.</p>
<p>Die ca. 130 Kinder, die jeden Tag dorthin geschickt werden, sind je nach Alter in vier verschiedenen Grupppen untergebracht: die Juengsten, die Drei- bis Vierjaehrigen, das sind die &#8220;Gansies&#8221;, darauf folgen die Vier- bis Fuenfjaehrigen der Butterfly-, also Schmetterlingsgruppe. Die restlichen sind in die Hasen- und Entengruppe aufgeteilt und zwischen fuenf und sechs Jahre alt.</p>
<p>Ich wechsle jede Woche das Klassenzimmer und darf die Arbeit mit einer neuen Gruppe kennenlernen. Fuer die Kinder war es sicher eine Abwechslung der besonderen Art, als ich ploetzlich bei ihnen auftauchte und anfing, dort mitzumschen. Zwei Maedchen waren besonders neugierig, wie sich wie sich ganz weisse Haut anfuehlt, und beruehrten bei jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit meine Hand. Und das, obwohl zwei kleine weisse Jungs mit in ihrer Gruppe sind.</p>
<p>Toleranz gegenueber Andersartigen muss man ihnen gar nicht erst beibringen, denn im Kindergarten sind von Schwarz bis Weiss unzaehlige Abstufungen von Hautfarben vorhanden. Und alle wachsen &#8212; zumindest dort &#8212; wie Kinder auf, nicht wie Mitglieder verschiedener Rassen und Klassen. Das macht die Sache fuer mich so interessant. Manchmal kann ich mich kaum sattsehen. Und vergesse, dass ich eigentlich gerade die Rolle einer Co-Erzieherin inne habe; dabei wuerde ich oft soo gerne einfach mit ihnen spielen, anstatt sie zu hueten und Befehle wie &#8220;spiel&#8217; auf dem Teppich!&#8221; zu erteilen.<br />
Es bleibt mir aber meist nichts anderes uebrig, als mich fuer die &#8220;Authoritaet&#8221; zu entscheiden.</p>
<p>Letzten Samstag verliess ich mit meinem roten Fahrrad, dem Mountainbike des verstorbenen Bischoffs, die Stadt. Ich brauchte dringend Bewegung und auch etwas Abwechslung, denn immer nur Kindergarten und pastorales Zimmer macht einen mit der Zeit schon muerbe.<br />
So radelte ich also auf der B1 ein Stueck Richtung Norden und bog dann auf die Sandpiste ab, die zum Koecherbaumwald fuehrt. Ich waere gerne abgestiegen und ein wenig durch den Busch gewandert, einmal abseits der Wege laufen, was wegen der Farmzaeune meist unmoeglich ist, sah das Risiko eines eventuellen Skorpion- oder Schlangenbisses aber als zu gross an. Zumal ich ja alleine und auch nur in Sandalen unterwegs war.</p>
<p>So fuhr ich weiter, entdeckte aber trotzdem einige Geckolein und Eidechsen. An gruenem Gras und kleinen Blumen konnte man sehen, wo sich jetzt versiegte Baeche entlanggeschlaengelt hatten. Ich erinnerte mich zurueck an die Begegnung mit Dorothea im Zug von Windhuk nach Keetmanshoop. Damals schwaermte die Dame von dem saftigen Gruen, das ihr Land angeblich gerade ueberzog und freute sich daran, waehrend ich nur bei mir dachte &#8220;Wo sieht sie bloss was Gruenes? Das ist doch alles vertrocknet!&#8221;. Letztendlich ist das Ansichtssache, aber ich habe den Regen schnell zu schaetzen gelernt.</p>
<p>Seit Ostern hatte es nicht mehr geregnet. Gestern aber oeffnete der Himmel seine Schleussen und es kam viel zu viel Wasser auf einmal herunter. Die voellig ausgetrocknete Erde konnte das alles gar nicht schnell genug aufnehmen. Binnen Stunden fuellten sich die sandigen Flussbetten und wurden zu richtigen Flussen, an vielen Ecken sammelte sich das Wasser, von wo es erst in den naechsten Tagen wieder abfliessen wird. Im Sandkasten unseres Kindergartens kann man nun chwimmen. Das Wasser steht 30 cm hoch darin.</p>
<p>Fuer heute soll das genuegen. Das Prozedere um den Papst und sein Ableben bekommen wir hier fast live mit, da Miss Cathline fuer ihr Leben gern den lieben langen Tag <span class="caps">CNN</span> schaut. Wir sind also bestens informiert.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Liebe Gruesse aus dem Land der Eidechsen.</p>
<p>Carolin</p></div>
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